Tuesday, September 11, 2018

Perfection - A Work in Progress, after the Heart of the Mother of God





St. Pelagiberg, 11. September 2018,
Konferenz für die Schwestern

Geweihtes Leben – Institute der Vollkommenheit

Ich muss bekennen, dass ich eine gewisse Ratlosigkeit spürte und vielleicht immer noch habe bezüglich dem grundlegenden Sinn des Geweihten Lebens. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um apostolisches, monastisches oder kontemplatives Leben handelt. Mein Ratlosigkeit betrifft also die Frage: „Was bedeutet es, zu einem Institut der Vollkommenheit zu gehören?
“Perfectae Caritatis” – Vollkommenheit der Liebe – so heisst das Dekret des 2. Vatikanischen Konzils über die zeitgemässe Erneuerung des Ordenslebens. Was bedeutet es, einem Institut anzugehören, welches sich dem Streben nach vollkommener Liebe auf dem Weg der im Leben und in der Lehre des Herrn begründeten evangelischen Räten (Armut, Gehorsam, Ehelosigkeit) verpflichtet hat. Worin besteht, abgesehen von der Nachfolge Christi, dem vollkommenen Menschen, wahrer Gott und wahrer Mensch, die Suche nach Vollkommenheit. Worin besteht die Vollkommenheit des Ordenslebens?
Wenn ich in meinem Leben dem Jesus in seinem Leben gleichen kann, besonders in seinem Leiden und Sterben am Kreuz, kann ich dann sagen, mein Leben sei so perfekt wie das seine perfekt ist? Die grossen Heiligen der Kirche liefern mir unzählige Vorbilder für meine Suche nach einem vollkommenen Leben. Die heiligen Gründer und Gründerinnen sind für die Schwestern und Brüder, Mönche und Nonnen aller Ordensgemeinschaften ein Ansporn nicht nur für ein heiligmässiges Leben, sondern auch für ein Leben entsprechend dem Charisma der eigenen Gemeinschaft.
Das ist also das Hauptkriterium für die Kirche, wenn sie das Charisma einer neuen Gemeinschaft prüfen muss. Sie muss es untersuchen und dann darüber entscheiden, ob das neue Institut, entsprechend der aktuellen Gegebenheiten an einem bestimmten Ort für die Kirche hilfreich ist und ob das Leben im Institut für die Mitglieder des Institutes lebbar ist. Die Kirchenleitung muss entscheiden, ob und inwiefern das neue Institut eine Gabe des Heiligen Geistes ist, dem Willen Christi entspricht und den Mitgliedern hilft, das Antlitz Christi lebendig vor der Welt aufscheinen zu lassen.
Die Anerkennung eines Ordensinstitutes als Einrichtung der Kirche beinhaltet ein Urteil, einen Prozess der Unterscheidung, welcher die Kirche als ganze betrifft und welche daher nicht einfach ist. Es kommt hinzu, dass die Aufgabe, ein Charisma zu beurteilen nicht einfach allen zukommt, sondern dass diese Aufgabe denen zufällt, die dazu bestimmt sind, in letzter Instanz natürlich dem Papst. Aber lassen wir dieses wichtige Thema einmal beiseite und wenden wir einfacheren Dingen zu: Wir wollen das Leben Marias betrachten und um es zu tun beginne ich, indem ich zwei Verse aus dem zweiten Kapitel des Lukasevangeliums zitiere. Nachdem Maria und Josef den zwölfjährigen Jesus im Tempel mitten unter den Gesetzeslehrern wiedergefunden haben, schliesst die Perikope mit den Worten:
Dann kehrte er mit ihnen nach Nazareth zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.” (Lukas 2:51-52)
Die Geschichte unserer Rettung durch die Person Jesu Christi wird erzählt mit ganz menschlichen, alltäglichen Worten, zuweilen sogar mit einer unbestreitbaren Portion Häuslichkeit. Die Geheimnisse Gottes zeigen sich in den klassischen familiären Beziehungen. Maria betrachtet das Geheimnis Gottes in ihrem zwölfjährigen Sohn und die Beziehung zum ewigen Gott entwickelt sich in Zeit und Umständen der Entwicklung dieses braven Jungen, der heranwuchs und dessen Weisheit zunahm und der Gefallen fand bei Gott und den Menschen.
Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.
Es ist wichtig, dass wir uns vor Augen halten dass sich dieses alles, was geschehen war immer um den Gottmenschen Jesus Christus bezieht. Es geht dabei nicht um die Banalitäten, Gedanken und Gefühle, die uns Menschen dann und wann beschäftigen und über die Thomas von Kempis gesagt hat:
Die Gedanken und Gefühle der Menschheit sind instabil und sehr unterschiedlich, und diejenigen, die nicht von Gott kommen sind verdorbene und wertlos. O Menschenherz, voller Wünsche und nie zufrieden! Wie bitter und falsch ist es für Sie, ihr Gott aufzugeben. Warum betrachten Sie so viele dumme Dinge, die völlig unfähig sind, Sie zu trösten oder zu sättigen?
Maria besitzt, wie die Evangelien uns berichten, die Eigenschaft, dass sich bei ihr alles um ihren Sohn dreht. In ihrem Herzen bewahrte sie alle Gedanken und Erfahrungen, die mit ihrem Sohn, dem Menschgewordenen Gott, in Zusammenhang stehen. Maria hat Jesus in ihrem unbefleckten Herzen bewahrt ganz ähnlich wie das jede Mutter mit ihrem Kind tut. Aber das Objekt, das sie bewahrte, war ein völlig anderes: Sie bewahrte in ihrem Herzen das, was Gott mitten unter uns tat.
Keine menschliche Person ist Jesus je näher gestanden als Maria. Das betrifft nicht nur ihre Nähe als natürliche Mutter, sondern auch ihre Nähe durch ihren Glauben, ihre Hoffnung, ihre Liebe und ihr auf den in Christus gegenwärtigen Gott konzentriertes Leben. Es ist diese Glaubenswahrheit, welche Maria für uns nachahmenswert macht. Dieses Verständnis und diese Sympathie für den Sohn bringt die Perfektion mit sich, welche uns ermutigt, ihrem Beispiel zu folgen auch wenn wir wissen, dass wir es nie genau so machen können, wie es nur die Immaculata konnte. Die Nähe Marias zu Jesus zeigt sich besonders auch in der Kreuzigungsszene, genauer gesagt bei Maria als „Pietà“. Das illustriert besonders schön ein Bild der Kreuzabnahme von Rogier Van der Weyde: Hier entspricht Maria sogar in den physischen Zügen ihrem Sohn. Der Leblose Körper des Herrn wird vom Kreuz genommen und Maria fällt in Ohnmacht zu Boden. In diesem Sinne möchte ich sagen, dass die Vollkommenheit in Jesus besteht und die wesentliche Berufung zur Vollkommenheit darin, dass wir Maria nachfolgen, welche ganz gleichförmig und mitleidend mit ihrem Sohn für das Heil der Welt lebt. Ich sage das ganz einfach, um anzuzeigen, dass Golgota der Höhepunkt genauso für den Sohn wie auch Höhepunkt für die Mutter ist. Die Mutter Gottes aber lebt ihre Berufung vor allem im Alltag, im Häuslichen und zwischenmenschlichen Umfeld.
So ist es auch im Ordensleben, welches von seiner Art her marianisches Leben ist. Die Vollkommenheit ist für uns, und besonders auch für die geweihte Seele, das Bemühen, unser Herz in der Absicht, im Willen in der Wahl und in dem was uns bewegt dem unbefleckten Herzen Marias gleichförmig zu machen. Und das tun wir nicht nur durch unser Gebet sondern auch durch die im Schweisse unseres Angesichts geleistete Arbeit, durch ora et labora. Es hat in der ganzen Kirchengeschichte nie ein Institut der Vollkommenheit gegeben, welches nicht wenigstens einen kleineren oder grösseren Teil manueller Arbeit als wesentliches Element in sich trug: Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.
Das Betrachten des und verinnerlichen des Lebens des geliebten Herrn ist die allen Getauften gemeinsame Berufung und daher auch zentraler Punkt beim geweihten Leben. Diese Betrachtung soll natürlich und nicht aufgezwungen sein. Das ist eine der Schlussfolgerungen, die ich aus der Lektüre z.B. der Tagebücher der Hl. Faustina, der grossen Förderin der Verehrung der göttlichen Barmherzigkeit, gezogen habe. Schwester Faustina lebte ganz aus ihrem Herzen heraus, einem Herzen, das ganz von den Dingen Gottes erfüllt war, ein Herz, das in ständigen Dialog mit Jesus war, mit seiner Mutter, mit andern Heiligen und auch mit den Seelen im Purgatorium, dem Fegefeuer. Das Leben der Hl. Faustina, der geliebten Tochter Jesu, ist stark geprägt von der Tugend der Demut. Wie die Hl. Rita von Cascia gab es auch bei der Hl. Faustina wirklich nichts, mit dem sie sich hätte rühmen können. Trotzdem können wir an ihrem Leben sehen, wie sehr Gott an und mit ihr für das Heil der Seelen gewirkt hat, dafür, dass viele die Grösse der göttlichen Barmherzigkeit kennenlernen können. Ein demütiges und reumütiges Herz, wirst du, oh Gott nicht verschmähen. Vielleicht rühren meine Schwierigkeit mit dem Begriff der Vollkommenheit daher, mit den vielen a priori, mit denen mein Verständnis des Begriffs der Vollkommenheit verbunden ist. Und so stehe ich vor einem weiteren Grund, der mich dazu drängt, meine Anstrengungen zu verstärken, um Maria, der demütigen Dienerin des Allerhöchsten, nachzufolgen.
Ich habe den Eindruck dass meine Absicht, diese bescheidene und zugleich tiefe Vision des christlichen und zugleich auch des geweihten Lebens zu fördern, hier in der Schweiz und ein wenig in ganz Mitteleuropa oft auf wenig Verständnis oder gar auf Widerspruch stösst. Ich will damit sagen, dass der Gedanke, Heiligkeit und vollkommene Gottesverehrung auf dem Königs-Weg der Demut, auf dem schmalen Weg und durch die enge Türe zu suchen, dem Empfinden der Mehrheit widerspricht. Exponenten dieses Widerspruchs gegen meine Vision einer Kirche mit Maria und Jesus im Zentrum gibt es in einem Teil des “establishment” oder des “mainstream”. Es gibt sie leider nur zu oft unter den Laien mit akademischen Titeln aber auch unter Klerikern und sogar unter den Bischöfen. Sie behaupten, die Verkündigung der Kirche entspreche nicht den Erfordernissen unserer Zeit. Daher sind sie unzufrieden mit der Kirche. In Wirklichkeit sind sie selbst Modernisten, entweder offensichtlich und erklärt oder aber durch die Art und Weise ihres Lebens und Redens. Sie lehnen das Ideal einer Gemeinschaft ab, welches die Gottesmutter Maria als zentrales Vorbild hat. Sie berufen sich auf die kirchliche Verwaltung, welche fachlich kompetent zu sein hat und von ihnen, den «Kompetenten», also mit entsprechenden Titeln ausgestatteten, Männern und Frauen geleitet wird. Programme und Kriterien der Effizienz, vielleicht auch Genialität, scheinen mehr zu zählen als die lebendige Beziehung zu Mutter und Sohn. Dabei ist gerade die persönliche Beziehung zu Jesus und Maria entscheidend, um, zum Heil der Welt, das Leben jener zu erhellen, die in der Finsternis leben.
[Vorsicht. Ich möchte mich beschränken auf das Thema des geweihten Lebens, auf die Institute der Vollkommenheit, auf die geweihten Personen, welche nicht dazu berufen sind, in der Kirche Leitungsaufgaben wahrzunehmen, sondern nach dem Vorbild Marias die Kirche zu beleben.]
Ich denke an Maria bei der Verkündigung, an Maria die Gottesgebärerin, an Maria bei der Hochzeit zu Kana, ich denke an Maria auf dem Kalvarienberg, an Maria betend inmitten der Jünger im Obergemach nach der Himmelfahrt des Herrn. Die bedauernswürdigen Erfinder unserer Tage lehnen nicht nur die Bedeutung des Weihesakramentes, sondern auch das Wehen des Heiligen Geistes welches in den Evangelischen Räten und in einem Verzicht um des Himmelreiches willen aufleuchte – im Geweihten Leben.
In seiner Predigt in der Messe mit den Schweizer Bischöfen in der Kapelle "Redemptoris Mater" hat Papst Benedikt XVI. am Dienstag 7. November 2006 auf einen Missstand in der Kirche hingewiesen und schlägt den Bischöfen und Priestern zugleich ein Heilmittel vor. In der Mitte dieses Heilmittels steht tatsächlich das geweihte Leben. Ausgehend vom Gleichnis, bei dem die Erstgeladenen die Einladung zum Hochzeitsmahl abgelehnt haben, nennt Papst Benedikt als erste Pflicht für Priester und Bischöfe – und ich möchte anschliessen auch für die Ordensleute – die Pflicht die Freuden Gottes zu kennen und bekanntzumachen. Hier ein paar Zeilen aus der Predigt von Papst Benedikt:
“Es geht um die Zentralität Gottes, und zwar nicht irgendeines Gottes, sondern des Gottes mit dem Gesicht Jesu Christi. Das ist heute wichtig. Es gibt so viele Probleme, die man auflisten kann, die alle gelöst werden müssen, die aber alle nicht gelöst werden, wenn nicht im Zentrum Gott steht, neu sichtbar wird in der Welt, maßgebend ist in unserem Leben und durch uns auch maßgebend in die Welt hineintritt. Daran, denke ich, entscheidet sich heute das Geschick der Welt in dieser dramatischen Situation: ob Gott da ist – der Gott Jesu Christi – und anerkannt wird, oder ob er verschwindet…
„Wenn wir in diese seine Gesinnungen eintreten, anfangen, uns in sie einzuüben, daß wie er und mit ihm denken, dann erwacht in uns die Freude an Gott, die Zuversicht, daß er dennoch der Stärkere ist, ja, wir dürfen sagen: die Liebe zu ihm. Wir spüren, wie gut es ist, daß er ist und daß wir ihn kennen dürfen – daß wir ihn im Angesicht Jesu Christi, der für uns gelitten hat, kennen.”
Nachfolge Marias! In Glaube, in Liebe und in der Hoffnung immer auf den Bräutigam ausgerichtet, auf ihren Sohn Jesus und unsern Bruder.
Kehren wir zu meinen Schwierigkeiten mit dem Begriff der Vollkommenheit zurück. Vielleicht hängt mein Befremden mit der Definition dessen, worin ein Institut der Vollkommenheit besteht gerade damit zusammen, dass diese Sache gar nicht ganz fassbar ist. Vielleicht reichte es, einzugestehen, dass das Werk zur Förderung der Vollkommenheit immer eine offene Baustelle sein wird. Es sind nicht Institute, die aus perfekten, vollkommenen Menschen bestehen, sondern um Menschen, welche in aller Demut den Königsweg wählen. Jeden Tag beginnen sie von neuem, besser Christus nachzufolgen. Vielleicht kommt die Schwierigkeit auch daher dass wir nicht genau verstehen, worin die Vollkommenheit Marias besteht.
Während meiner diesjährigen Exerzitien verbrachte ich einige Zeit damit, darüber nachzudenken, welche Tugenden wir besonders fördern sollten, um unsere Laster zu überwinden. In der Folge habe ich ein paar Bücher über die Geissel der Faulheit, über die geistliche Faulheit, dieses alte Laster der Mönche, Nonnen und Asketen. In der Geschichte der Spiritualität wird die Trägheit immer dargestellt als eine Kapitulation vor dem Teufel. Aus Mangel an Liebe zum Bräutigam weicht der faule Asket dem Kampf gegen die Versuchungen des Feindes aus und gibt sich der Traurigkeit oder den falschen Tröstungen hin.
Evagrius Ponticus war der grosse Lehrer in Bezug auf die geistige Faulheit und die Wege, wie sie bekämpft werden kann. Von ihm können wir ganz besonders lernen, was das Besondere des monastischen Lebens zur Zeit der Wüstenväter war: In der Zelle auszuharren, sich der handwerklichen Arbeit und dem Gebet zu widmen. Dieses Konzept wurde vom Hl. Benedikt mit dem Prinzip der stabilitas loci in seine Regel aufgenommen, also mit dem Prinzip, nicht hierhin und dorthin zu rennen, sondern ruhig im Haus zu bleiben.
Die Acedia, die geistliche Trägheit, kann betrachtet werden als die Wurzel all dessen, was im Leben eines Mönches – und daher in jedem Ordensleben, bei jedem Priester oder jedem Getauften – schief gehen könnte. Perfectae Caritatis! Ja, vielleicht verstehe ich jetzt, warum man von Instituten der Vollkommenheit spricht und warum man zur Nachfolge der Mutter Gottes einlädt. Ausser der Liebe Jesu gibt es in der Welt keine grössere Liebe als diejenige Marias. Wenn wir uns mit aller Kraft darum bemühen, Maria in der Liebe nachzufolgen, dann machen wir wirklich das sinnvollste, was es in der Welt zu tun gibt.
Um diese vollkommene Liebe zu entflammen, welche uns rettet und welche uns in unserer Berufung vervollkommnet, empfiehlt uns die Tradition die „Lectio divina“ und das Gebet. Wenn wir Christus auch im 21. Jahrhundert nachfolgen wollen und ein wirklich christliches Leben führen wollen, ein Leben in Gemeinschaft mit Gott, Jesus, der Mutter Gottes und den Heiligen, dass ist es eine Bedingung sine qua non, das heisst dann können wir nicht anders, als Menschen des Gebetes zu sein. Ja, das Gebet lenkt die Gedanken zu Gott. Entsprechend meiner heutigen Gedanken könnte man noch präziser sagen, dass das Gebet in der Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott hält entsprechend dem Vorbild der demütigen Magd, der unbefleckten Gottesmutter Maria. Genau deswegen ziehe ich den Begriff der Lectio Divina dem des Studiums der Heiligen Schrift vor. Die Lectio Divina legt die Gewichtung auf das Wort Gottes, welches Frucht trägt nicht nur in guten Vorsätzen, sondern in der Konzentration auf Gott selbst, das „Objekt“ unserer Gedanken. 
Wenn man von einer Fehlentwicklung der letzten ungefähr hundert Jahre sprechen kann, dann wohl vor allem im Bereich des geistlichen Lebens. Im geistlichen Leben, besonders im Leben der Priester, hat sich eine gewisse Äusserlichkeit eingeschlichen, welche zu einem Mangel an Herzlichkeit im Gebetsleben führte. Wir leben nicht mehr wie Maria mit Jesus im Herzen. Viele Aufgaben rauben uns die Zeit für das Wesentliche, für die Zeit, die wir in Gemeinschaft mit Jesus verbringen. Perfectae Caritatis! Wo immer wir sind, bei der Arbeit, in der Kapelle, überall. Das Wesentliche ist, in Gemeinschaft mit Jesus zu sein.
Die heilige Faustina war eine kontemplative Seele. Ich weiss wirklich nicht, ob ich das auch bin. Vielleicht spielt es auch gar keine Rolle. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass alle Getauften, wenn sie Maria nachfolgen in der Betrachtung des geliebten Sohnes, die erwünschte Vollkommenheit erreichen können. Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam! Ja! Alles für unseren Herrn zusammen mit Maria, der Mutter Gottes.
Ob wir Männer oder Frauen sind, das spielt keine Rolle. Die Mitte unserer Gedanken und das Ziel unseres Lebens (la raison d’être) kann sich nicht sehr voneinander unterscheiden – oder überhaupt nicht. Wenn wir nach etwas wirklich vollkommenem streben, dann leben wir in der Nachfolge Marias, der Mutter Gottes.
 [“When I was left alone with the Blessed Virgin, She instructed me concerning the interior life. She said, The soul’s true greatness is in loving God and in humbling oneself in His presence, completely forgetting oneself and believing oneself to be nothing, because the Lord is great, but He is well-pleased only with the humble, He always opposes the proud.” (from Notebook VI of the Diaries of St. Faustina)]


PROPERANTES ADVENTUM DIEI DEI


Good Example and Ultimately Martyrdom




11. September 2018
Hll. Protus und Hyazinth, Märtyrer
Hebr 10, 32-38
Lk 12, 1-8

Gelobt sei Jesus Christus!

Heute kann man im Handmissal, zur Einführung der Kommemoration von den Heiligen Märtyrer, lesen:

„Protus und Hyazinth waren leibliche Brüder, die um 240 Hauslehrer bei Philippus, dem Präfekten von Ägypten, waren und dessen Tochter Eugenia zum Glauben an Christus führten. Diese begleiteten sie nach Rom, wo sie um das Jahr 258 das Martyrium erlitten.“

Ja, wir können Gott für das Lebenszeugnis dieser beiden Hauslehrer danken, welche eine junge Frau zum Glauben an Christus geführt haben. Wir dürfen auch dafür dankbar sein, dass in der Folge alle drei zusammen dem Glauben an Christus treu geblieben sind, treu bis in den Tod. So sind sie durch Leiden, sogar extremes Leiden, eingegangen in unsere ewige Heimat. Ich glaube, dass es in diesem Fall ganz besonders wichtig ist, die Lehre der Kirche in Erinnerung zu rufen. Die Kirche lehrt uns, dass ein solches Lebenszeugnis auf einem heiligmässigen Leben gründet und dass das Martyrium eine Bestätigung des davor gelebten Lebens ist. Eugenia hat sich nicht in erster Linie vom Heidentum zum wahren Glauben bekehrt wegen der Lehre, die Protus und Hyazinth vorgetragen haben, sondern vor allem wegen ihrem Lebenszeugnis, wegen ihrem guten Beispiel. Hier sehen wir den wahren Sinn der Redewendung „Das Blut der Märtyrer ist der Samen neuer Christen“. Das Martyrium ist die Vollendung eines gerechten Lebens, eines Lebens welches seinen Höhepunkt in der Hingabe des eigenen Lebens an Christus findet.

Ich fürchte, dass dem heutigen Katholizismus die Überzeugung fehlt, dass wir unserer Taufberufung entsprechende Selbsthingabe nicht nur in einzelnen Notfällen zu leben, sondern notwendigerweise in jedem Augenblick unseres Lebens. Immer sollen wir in der Gegenwart des Allmächtigen leben, der uns ganz für sich haben will. Ich sage das in der festen Überzeugung, dass unser Zeugnis im Übermass Früchte zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen liefern würde, wenn wir jeden Tag heiligmässig vor dem Herrn leben würden. Ja, es ist wirklich so! Wenn die Zahl der Katholiken heute am Sinken ist, so liegt das daran, dass wir, - sie und ich – zu wenig an Christus unsern Herrn und Erlöser glauben. Wir geben ein schlechtes Beispiel durch unsere Ambivalenz und mangelnde Begeisterung für das Evangelium. Wenn wir heiligmässiger wären, hätten wir echte Sehnsucht nach dem Martyrium und würden substantiell beitragen zur Erneuerung der Kirche hier in Europa. Ich wiederhole: Das Martyrium besiegelt das heiligmässig und beispielhaft gelebte Leben. Das Martyrium zusammen mit dem vorangegangenen Leben ist eine Hilfe zu Heil der andern. Eugenia konnte Protus und Hyazinth dankbar sein für deren Beispielhaftes Leben im Hause ihres heidnischen Vaters. Das Glaubensleben der beiden Brüder hat Eugenia wie das Licht des Leuchtturms sicher durch den Sturm auf hoher See zum ersehnten Hafen geführt.  

Und genau das möchten wir auch für die Welt von heute sein, besonders für die Jungen, die oftmals nicht das Glück haben, zusammen mit gläubigen Eltern und Familienangehörigen aufzuwachsen. Es liegt an uns, die Schwächen der andern durch unser gutes Beispiel und die Prinzipien, welche unser alltägliches Leben bestimmen, auszugleichen. Wie müssen wir aber leben, um so etwas möglich zu machen? Wir müssen selbstverständlich die alle Gebote Gottes beachten ohne dabei die Gnade des Martyriums ausschliessen, welches das Leben der Heiligen zu allen Zeiten gekrönt hat. Ich denke gerade an ein Interview mit Martin Mosebach über die Familien der neuen koptischen Märtyrer, welche um ihres Glaubens willen vor kurzem in Libyen umgebracht wurden. Die christliche Gemeinschaft, in der diese jungen Männer aufgewachsen sind, hat sie vorbereitet auf das Martyrium. Aufgrund dessen, was sie in ihren Dörfern gelernt hatten, konnten sie ihr Leben mit Freude für Christus hingeben.

Heute ist für viel nicht mehr selbstverständlich, warum wir heiligmässig leben sollen, die Gebote Gottes und der Kirche beachten, Gott über alles lieben und den Nächsten wie uns selber. Das alles ist einfach die Konsequenz aus der Liebe, welche Gott zu uns hat, d.h. die Konsequenz des Wunsches Gottes nach unserem Heil.

“Ihr seid mehr wert als viele Sperlinge. – Ich sage euch aber: Jeder, der mich vor den Menschen bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen.“

Warum wir heiligmässig leben sollen, wird in der ersten Frage des kleinen Katechismus schön erklärt:

“Wozu sind wir auf Erden? Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben und ihm zu dienen und einmal in den Himmel zu kommen.”

Wir sind nicht dazu berufen, unser Leben fahrlässig zu riskieren, aber wir sind dazu berufen, an unserem Platz nach dem Plan Gottes zu leben. Und dieser Plan Gottes sieht für jeden von uns vor, dass wir zusammen mit IHM, dem Dreifaltigen Gott, mit Maria, der Mutter Gottes und mit allen Heiligen in der Herrlichkeit des Himmels sein werden. Manchmal ist es schwierig, heiligmässig zu leben, weil uns die Perspektive fehlt. Heute schauen wir auf das Leben von Protus und Hyazinth und lassen wir uns von ihrem Martyrium inspirieren.

Gelobt sei Jesus Christus!

Protus und Hyazinth! Bittet für uns!

PROPERANTES ADVENTUM DIEI DEI



Saturday, September 8, 2018

I know that my Redeemer lives!


TWENTY-THIRD SUNDAY IN ORDINARY TIME
9 September 2018 – Bruder Klaus
Is 35:4-7a
Jas 2:1-5
Mk 7:31-37

Praised be Jesus Christ!

“Be strong, fear not! Here is your God…”

These days I am reading a book by an investigative reporter on the opioid epidemic raging in small town USA. It talks about the small towns where you have young people from rather ordinary families, who are hooked on painkillers and even heroin and about the ever-increasing number of them who are dying from overdosing on these drugs. Besides these deaths and all the crime, one of the great tragedies in the whole story involves the frustration of the parents with children addicted to these drugs is that the justice system, especially the law courts, do not seem to respond to their need for help in fighting the problem. They have no recourse. They are alone and cannot seem to protect their children. No one seems to come in answer to their cries.

Tragic as this situation is it comes as no great surprise to those of us who as Catholics really understand what we are all about. As believing people, we may not suffer any less than others do from injustice here in this world, but we should know at least what we are about. No judge, no court, no law enforcement agency is a sufficient guarantee that we will see justice done here below. In this world and in its authorities is not where we ultimately find our refuge.

“Be strong, fear not! Here is your God…”

We have no other option really than but to look soberly at the “this world side” of our lives. While we as good citizens of this world, especially if we live in a democracy, have to do all we can to contribute to building up the nation wherein we find ourselves, we need to remember that here on earth there is no ultimate justice. Regardless of whether we are in our country of origin or in our country of adoption, or let us say our country of sojourn, as believing people we must be mindful that ultimately justice comes from God’s Hands alone. Here on earth we are but strangers and guests; nobody out there is going to look after us. Nobody on earth can fill the bill ultimately as our vindicator, as our redeemer. Surely, we are destined for much more than what this world and its institutions can provide. God alone is our loving Father, the only One Who can and does answer all our needs.

“Say to those whose hearts are frightened: Be strong, fear not! Here is your God, he comes with vindication; with divine recompense he comes to save you.”

Isaiah prophesied in this sense and the Lord Jesus, by His teaching and miracles, like healing the deaf man and correcting his speech, Jesus witnesses, Jesus fully reveals just who and how God is for us.

“He has done all things well. He makes the deaf hear and the mute speak.”

Believing people will say when faced with hard times: our lives are in God’s Hands. It is hard to say whether they really believe that. Perhaps better one can rightly ask, just what does that mean: our lives are in God’s Hands? People who do not believe in God or who will not own Him as central to their lives are generally classed as materialists, because they cannot seem to get beyond what you can taste, touch or smell. Truth to be told, materialism just plain sounds wrong-headed. It is much too little and cynically so. Before the good news of the Resurrection of Jesus, before news of His victory on our behalf over sin and death, there must have been a terrible anxiousness in the world. Everything must have been somewhat wrong, perhaps sad, and oftentimes terribly tragic.

With Christ’s coming among us, with His embrace of our humanity, with His ultimate sacrifice for the sake of our salvation, we have our judge who can make everything right, albeit in His own good time, when all others have failed. But you say, I want justice now; I want satisfaction for suffering endured now! At least you say, I want to be healed maybe! You know like in the Gospel: “Ephphatha!”—that is, “Be opened!” Elsewhere in the New Testament and in the Tradition we face the challenging question of why Jesus healed some but not all. The response is that His miracles have witness value; they are our confirmation or assurance of the ultimate or what will be long-term, beyond this world’s trajectory for our lives.

What does it mean to be a true believer in Christ in hard times? For one thing, our freedom and dignity demand that we consciously, deliberately place our lives and the lives of those entrusted to our care in God’s Hands. The challenge of figuring out how that is supposed to work comes easier, I think, for children of believing parents. God is closer to children who have seen mom and dad pray and where mom and dad pray with them. It is good and essential even when that prayer is very simple, imperfect even. Yes, imperfect: I can remember as a child when with a bit of a heavy heart mom would say to us children that the night before the angels had to finish her prayers as she had fallen asleep on her knees by her bedside. A confidence or confession on her part to her young children that absolutely confirmed where she placed her hope!

We can fight and discuss about all sorts of things that should be better in the Church, about Sunday worship, about religion classes and pastoral care, even about the quality of preaching, but nothing, but nothing is more important than understanding from home, from the witness of our parents that our lives are in God’s Hands.

“Say to those whose hearts are frightened: Be strong, fear not! Here is your God, he comes with vindication; with divine recompense he comes to save you.”

Praised be Jesus Christ!



Friday, September 7, 2018

Mary's Birthday


Maria Geburt
08. September 2018, Rheinau

Gelobt sei Jesus Christus!

Bei den Heiligen feiert die Kirche vor allem den Geburtstag in den Himmel, also den Tag des Sterbens durch Martyrium oder auch durch natürlichen Tod. Für die Heiligkeit zählt das tatsächlich gelebte Leben. Für die Heiligkeit zählt das konkrete Lebenszeugnis, nicht einfach nur das Faktum, geboren zu sein. Das wiederum ist eine der Konsequenzen der Erbsünde. Deswegen ist es ja auch dringende Pflicht, dass die Kinder möglichst schnell nach der Geburt durch die Wasser der Taufe geheiligt werden. In Anbetracht der persönlichen Sünde wartet die Kirche bis zum Tod mit der Heiligsprechung. Diese Sicherheit haben wir erst dann, wenn die Möglichkeit der persönlichen Sünde definitiv ausgeschlossen ist – und das ist erst nach dem Tod der Fall.

Daher im liturgischen Kalender sind Geburtstage nicht zu erwarten. Wir feiern nur den Geburtstag von drei Kindern: an Weihnachten die Geburt unseres Herrn Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, geboren zu Betlehem aus der Jungfrau Maria. Wir feiern auch Johannes den Täufer, welcher auf wunderbare Weise von einem bereits hochbetagten Ehepaar geboren wurde. Er ist der Vorläufer des Erlösers der Welt. Und heute feiern wir mit grosser Freude den Geburtstag der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Sie ist die einzige unter den Menschen, welche ohne Erbsünde empfangen wurde.

Diese Tatsache lässt uns verstehen, warum viele Prediger der Ansicht sind, dass der Tag der Taufe für das Leben des einzelnen viel wichtiger sei als der Tag der natürlichen Geburt. Dass wir geboren wurden ist natürlich schon auch wichtig, aber die Tatsache der Wiedergeburt durch den Heiligen Geist und die Wasser der Taufe ist wichtiger. Bei Jesus, Maria und Johannes feiern wir die Gegenwart Gottes und sein machtvolles Wirken in ausserordentlicher Weise. Bei Johannes dem Täufer, der schon im Mutterleib geheiligt wurde, haben wir ein hervorragendes Bild der Wirkung der Taufgnade im Leben des Menschen. Als Maria, den Herrn bereits im Leibe tragend, Elisabeth besuchte, hüpfte Johannes bereits vor Freude. Aber heute wollen wir nicht von Johannes sprechen, sondern von Maria.  

Gott hat Maria schon vor Anbeginn der Zeit dazu bestimmt, Mutter seines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, zu werden. Dazu hat ihr eine besondere Gnade gewährt, dass sie die Sünde nie selber kennenlernte, dass sie von der Sünde unbefleckt blieb – Immaculata – vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an. Diese Gnade war während dem ganzen Lebens Marias gegenwärtig: bei ihrer Zeugung, bei ihrer Geburt, in ihrer Kindheit, bei ihrem Leben in der Familie. Die Eltern Marias, Joachim und Anna, waren gute, heilige Eltern. Sie haben diesem auserwählten Kind ein sicheres familiäres Umfeld bereitet, wo Maria unter dem Schutz des Allmächtigen heranwachsen konnte. Der Hl. Andreas von Kreta erzählte so zum heutigen Fest: Heute ist die Jungfrau geboren. Sie wurde geschützt, geformt und vorbereitet für ihre Aufgabe, Mutter Gottes zu werden, Mutter dessen, welcher der König des Universums ist in alle Ewigkeit.

Es besteht kein Zweifel, dass die Geburt Marias ein Grund zur Freude ist, ein Grund der Ermutigung, aber auch eine Herausforderung für uns alle in unserem christlichen Leben. Maria ist die neue Eva, die Mutter Gottes und zugleich Mutter für das Heil der Welt, welche durch das Blut ihres Sohnes gerettet wurde. Maria hat mit der göttlichen Gnade zusammengearbeitet und so können wir uns heute darüber freuen, dass die Gnade Gottes sich auf die Welt ergossen hat. Eine solche Gunst des Höchsten gegenüber einem Menschen tröstet uns auch deshalb, weil diese Tochter Israels dem ganz entsprochen hatte, was Gott von ihr erwartet hatte. Die Jungfrau hat auf die gewährte Gnade angemessen und richtig geantwortet. Ihr Mitwirken mit der Gnade Gottes bei der Erlösung der Welt steht in totalem Gegensatz zum Ungehorsam der ersten Eltern am Anfang der Schöpfung.

Das sind unsere Freude und die Quelle der Hoffnung für unser Leben hier und in Ewigkeit. Maria wurde unseretwillen auf einzigartige Weise begnadet. Schon in der Geburt der Jungfrau können wir unseren Blick in die Zukunft richten, über ihre Aufnahme in den Himmel auf den Ort, der auch uns verheissen ist. Wir sind dazu berufen, mit ihr im Himmlischen Reich ihres Sohnes zu sein. Die Herausforderung ist offensichtlich die, sich der Gnade Gottes zu öffnen, mitzuwirken mit der Gnade Gottes. Wenn wir die Tagebücher der Hl. Faustina lesen, der aus dem 20. Jahrhundert stammenden Verkünderin der Göttlichen Barmherzigkeit, dann können wir entdecken, wie viel es gebraucht hat, dass Gott diese Schwester davon überzeugen konnte, dass er gerade sie dazu auserwählt hatte, eine Werkzeug zu sein, um Gottes Liebe zu den Sündern zu bezeugen und ihnen so einen Zugang zur göttlichen Barmherzigkeit und so um Heil der Seele zu ermöglichen.

Das Fest der Geburt Marias gibt mir die Gelegenheit, mit euch meine grosse Sorge um die Kirche zu teilen und euch darum zu beten, für die aktuellen Bedürfnisse der Kirche von heute. Die Geissel der Säkularisation (diese unnatürliche Trennung von Gott und unserer Welt) trifft die Kirche in ihrem Herz, in der Familie. Wir haben mittlerweile schon Familien, die bereits in der dritten Generation nicht mehr zu Hause beten, geschweige denn an Sonn- oder Feiertagen in die Messe gehen! Die Familie ist das Heiligtum, das Gott wollte, für seine erste Begegnung mit dem Menschen. Ohne Gebetsleben leider ist die Welt von heute immer unwissender in Bezug auf die Vorliebe Gottes und sein Wirken im Leben von jedem von uns.

Meine Bitte an euch heute ist, allen zu helfen, den unersetzbaren Wert zu entdecken, welcher das Gebet in der Familie für die Weitergabe des katholischen Glaubens hat. Macht das Gebet bekannt durch das gute Beispiel in der eigenen Familie. Macht es bekannt durch das Gebetsapostolat, besonders durch die Liebe zum Rosenkranz. Macht es bekannt durch di Förderung der Skapulier-Bruderschaft, besonders dadurch, dass wir die Kinder in der Kommunionvorbereitung mit dem Schutzmantel Mariens einkleiden. Macht die Skapulier-Bruderschaft und die Verehrung unserer Lieben Frau vom Berge Karmel auch bei den Erwachsenen bekannt, denn sie können in dieser traditionsreichen und ewiggültigen Frömmigkeit einen neuen Zugang zum Bussakrament und zur Erneuerung ihres Lebens finden.

Bischöfe und Priester haben den Auftrag die Fülle des Glaubens zu verkünden. Ich bin aber immer mehr davon überzeugt, dass die katholischen Laien und die geweihten Seelen durch das Beispiel ihres Lebens und durch ihr alltägliches Gespräch mit andern Menschen geradezu der Schlüssel sein können, um die Herzen vieler Menschen zu öffnen, welche zwar in gutem Glauben suchen, aber doch die Quellen des Glaubenslebens nicht finden.

Wenn wir einst das Ziel der Heiligkeit im Himmel erreicht haben werden, wird man, anders als bei Jesus, Maria und Johannes, nicht unseren Geburtstag feiern. Aber es wäre zu hoffen, dass wir am Ende unseres Lebens voll Freude auf das blicken können, was die Gnade Gottes in unserem Leben gewirkt hat.

Gelobt sei Jesus Christus!





Friday, August 31, 2018

The Good and Faithful Servant


Schweizer Seelsorge-Stiftung
Votivmesse von „Maria, Hilfe der Christen“
am 1. September 2018 in der Liebfrauenkirche, Zürich

1 Kor 1:26-31
Matt 25:14-30

Gelobt sei Jesus Christus!

„Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.“ 

„…damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.“ So ist es, O Herr! Wir danken Dir!

Öfters, wie heute, am Samstag gedenken wir nach guter katholischer Tradition der Gottesmutter, heute mit dem Titel Maria, Hilfe der Christen. Wenn wir dann im ersten Korintherbrief die Worte des Apostels Paulus hören „das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt“ werden unsere Gedanken natürlich sofort zum Magnificat geführt, dem grossen Marianischen Bekenntnis im Lukasevangelium (Lk 1,46b-48): „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.“

In unserer Niedrigkeit, danken wir Gott für vergangenen 20 Jahre Schweizer Seelsorge-Stiftung. In diesen 20 Jahren haben Menschen in und durch diese Stiftung andern grosszügig gedient, mit ihren Spenden besonders für die jungen Menschen und für die vielen guten Werke.

„Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“

Unsere von Gott gegebene Aufgabe richtet sich tatsächlich immer nach den Möglichkeiten, die jeder einzelne hat. In diesem Sinne hat Franz von Sales gelehrt, auf die Besonderheiten der einzelnen christlichen Lebensformen zu achten. Das Gebet gehört grundlegend zur Berufung, als Getaufter zu leben. Aber die konkrete Gestalt des Gebetes ist je nach Lebensstand unterschiedlich. Der Mönch muss sicher mehr Zeit in der Kirche beten als der Landarbeiter, aber keiner der beiden kann ein christliches Leben führen ohne das Gebet. Der grosse Bischof von Genf unterschied die konkreten Gebetspflichten und die Anforderungen an die Verwaltung der Güter auf der Grundlage der Lebenssituation der betreffenden Person. So sind die Aufgaben eines Bischofs andere als diejenigen eines Priesters, eines Ordensmannes oder eines Laien…. Was die Wohltätigkeit betrifft, so muss die Bereitschaft, entsprechend dem Vorbild Jesu zugunsten der Bedürftigen und Benachteiligten ein Opfer zu bringen eine Charaktermerkmal aller Getauften sein. Wir sind alle zur Nachfolge Christi berufen, aber diese sieht anders aus bei einem Bettelbruder, die totale Armut versprochen hat, als bei einem Bischof und ebenso anders bei einem jungen Ehepaar, das die Verantwortung für die Erziehung der Kinder hat.

„Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten.“ Und dann im Gleichnis hören wir über den dritten das Urteil: „Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis!“

Der dritte Diener, dem nur ein Talent anvertraut wurde, ist nicht deshalb verurteilt worden, weil er weniger verdient hat als die andern, sondern aufgrund seiner Haltung. Nicht das Resultat war entscheidend, sondern seine überhebliche Haltung, sein Mangel an Respekt und Gehorsam gegenüber dem Herrn. ER war ungehorsam und hat den Auftrag seines Herrn nicht ausgeführt. So wird es auch bei uns sein. Wir werden beurteilt nach unserem guten Willen, nach unserer Bereitschaft, Gott zu dienen. Es ist richtig, dass wir unter dem Gericht Gottes stehen und dieses Gericht ist nicht monolithisch „für alle gleich“, sondern differenziert, auf die Persönlichkeit jedes einzelnen abgestimmt. Gott misst jeden von uns nach unseren Fähigkeiten und unserer Bereitschaft.  

Alles was wir an Zeit, Talent und Gütern besitzen ist zweifelsohne Geschenk Gottes. In Dankbarkeit gegenüber Gott und zum Zeugnis für die Welt müssen wir den andern gegenüber grosszügig sein mit dem, was wir empfangen oder hinzuverdient haben. Entscheidend ist dabei, dass wir uns bewusst sind, dass es bei unserer Grosszügigkeit nicht um „Menschenliebe“ geht, sondern darum, unsere Pflicht als „Diener des Herrn“ zu erfüllen. Wir sind nicht Herren über den Besitz, sondern Verwalter der Güter, welche uns Gott anvertraut hat, der uns erschaffen und in Christus erlöst hat.

Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass immer dann wenn sich in der Gesellschaft materieller Wohlstand etablierte, auch bei einem Teil der Bevölkerung, die Versuchung wuchs, den Kopf zu erheben und sich zu rühmen, als hätten wir etwas Besonderes verdient, oder würde uns etwas Besonderes gebühren. Hochmut, Neid und Eifersucht können uns dazu führen, besser über unseren Göttlichen Meister nachzudenken, welcher in der Welt durch seinen Mystischen Leib handelt. Es ist zu einfach, wenn wir nur, wie der unglückliche Diener, einfach den Herrn anklagen und ihm die Schuld für unsere Situation in die Schuhe schieben. „Zuletzt kam auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder.“

Nein, unsere Aufgabe ist es vielmehr, zu erkennen, dass wir Söhne und Töchter Mariä sind, Brüder und Schwestern des von Maria geborenen einzigen Sohnes des Allmächtigen. In Maria, der von Gott aus allen Menschen auserwählten, finden wir das passende Bild für die Kirche, welche ihrem Herrn steht und mit ihm wirkt zum Heil der Welt. Wir sind nur Diener, aber in diesem Bewusstsein sind wir wie Maria voller Freude und begierig, sein Wort zu hören: 

„Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“

Gelobt sei Jesus Christus!



Sunday, August 26, 2018

I Guess I Must Have Dreamed It?



Despite its title, which might ring negative to some, this [Reinhardt, Volker. Luther, der Ketzer: Rom und die Reformation (German Edition) C.H.Beck. Kindle Edition.] was one of the books I picked up and read for the big reformation jubilee of 2017. Among the key takeaways I had from Reinhardt's compelling analysis of the why and wherefore of the tragedy set sail by Martin Luther, was Rome and the Papacy's unresponsiveness to the devastation which would not have had to be or at least would not have had to bring such harm to the edifice of faith and culture starting from the 16th Century. 

The Pope and Rome just did not understand the rage of German folk and others. Justified anger or not, an exaggeration of the case which could be made back then against some of the indulgence fundraisers, the people who could have made a difference either sat back or busied themselves with other issues. As far as today is concerned, I find myself drawing parallels, but there cannot be reasons for drawing parallels with the then of heresy and the now of a lack of due diligence in confronting the disordered lifestyle of significant numbers of men in Holy Orders, can there? I guess I must have dreamed it, right?

Would it be hysterical or off-base to see a link between the negligent attitude of Rome toward Luther's protests and the Protestant Reformation and the kind of hedging by the hierarchy which seems to have characterized the two flareups of indignation by priests and people in the past 12 years to the clerical sex abuse crisis? Aren't we just as much in denial about consequences for the life of the Church of the evident lack of episcopal oversight, not to mention the tolerance by bishops and chanceries of dissolute living on the part of priests and seminarians, the conniving or outright transgression in such matters even by princes of the Church? At least back in Luther's day most the money was going toward building St. Peter's. Today, it's a half million here in hush money or a half million there to feather the nest of a man who in his youth had vowed the evangelical counsels or at least should feel bound by the Council teaching to a life of pastoral poverty.

The TESTIMONY published by His Excellency Carlo Maria Viganò, Titular Archbishop of Ulpiana, Apostolic Nuncio, touches three papacies, just as many cardinal secretaries of state, and almost countless other curial figures. The time frame is not so long as that of the 16th Century, but what Volker Reinhardt analyzes as German sentiment against Rome could be paralleled to present estrangement on the part of the English speaking world from not Italians but perhaps from a lavender mafia of various ethnic persuasions and pedigrees, busy creaming off money for creature comforts. 

Luther over the years had his outrageous demands sustained by his folk and perhaps today various calls for the resignation of whole episcopal conferences or something just as draconian have more sympathy than they should, but the issue is ever one of an adequate response. Ultimately the Catholic Counter Reformation had to supply where honest measures in time failed. In that contrast, the pattern was set for an ever fragmenting Christianity. Had Rome's reaction been timely and earnest, the garment might not have been ripped asunder.

What will be our lot? How will the thing go today? I don't know. Just let me say that genuine responsiveness to people's anger seems preferable to living the nightmare of Bauernkrieg, Bildersturm, and subsequent ills. The Bride of Christ deserved better treatment back then and certainly deserves better treatment on our part today.

As hypocritical as calls for prayer and penance on the part of one and all can sound, their saving grace is that they are for all a genuine antidote to the kind of twisted self indulgence (read sexual, especially homosexual, lifestyle) which is at the core of most of the embezzling and theft of recent years. Normally, we blame the bad example of priestly unchastity for having subverted Catholic marriage. Perhaps a bootstraps effort to recover the sanctity of Christian matrimony, open first and foremost to children, might shame priests back to ordered living. One thing, however, is certain, such a grace cannot help but be crowned by the gift to parents and to the Church of happy and holy priestly and religious vocations.

PROPERANTES ADVENTUM DIEI DEI


Saturday, August 25, 2018

Decide Today Whom You Will Serve!


21st Sunday in Ordinary Time – 26 August 2018
Bruder Klaus – Bern
Joshua 24:1–2a, 15–17, 18b
Ephesians 5:21–32
John 6:60–69

Praise be Jesus Christ!

If you will bear with me, I want to try to say something this Sunday about the essential nature of faith in our lives, faith in God. In saying that, I would emphasis that between one “god” and another, between one religion and faith system and another there are no comparisons. There must be a gathering in, God is one and so is His Church in Christ Jesus. In the Creed, we profess faith in the one, holy and Catholic Church, coming down to us from the Apostles.

“If it does not please you to serve the Lord, decide today whom you will serve, the gods your fathers served beyond the River or the gods of the Amorites in whose country you are now dwelling. As for me and my household, we will serve the Lord.”

As I was preparing my homily for today, Joshua’s talk with the tribes of Israel (from our first reading today) struck me funny in the sense that it dawned on me that for folks back then there was never any question of whether they had to serve some god or not. Atheism and agnosticism were unthinkable for those people. You had to have a god. I asked myself at the same time, what has changed really to permit people to opt out of being believers, of being religious? Why do we seem to remain indifferent in the face of the phenomenon of the so-called “nones”, n-o-n-e-s, people who, when filling out forms or questionnaires and being asked to specify their religion, put down “none”?

“…decide today whom you will serve…”

The choice for Israel was between their God, Who had brought them out of Egypt through the desert to the Promised Land, or some strange or stranger’s god. Living without God was not an option. No doubt, they would find the godless people in our world today impossible to understand and, well, a real scandal, nonsense or worse. Moreover, it is so. Our world and we ourselves, we did not just pop on the scene. We were created by God and saved from sin and everlasting death in Jesus Christ. God made us for His own in this life and if we so choose to respond to His gift, destined for eternal happiness with Him in Heaven.

Whether we are talking about Old Testament times and Joshua or about Jesus confronting His disciples in Chapter 6 of John’s Gospel, these are the terms of what common sense tells us is reasonable discourse. That is to say, that Jesus in the Gospel does for us today what Joshua did for Israel. He puts His disciples before a choice, not so much of which god to choose but rather of choosing between Him, Jesus, the one and only God, and nothing. Certainly, faith is part of it. Jesus’ very asking, however, implies that He has already provided access to the gift of faith. The disciples and we have what we need to respond to Christ’s challenge, “It is the spirit that gives life, while the flesh is of no avail. The words I have spoken to you are Spirit and life.”  The faith to be saved in Him is not something that the Lord gives sparingly. He wills that we come to know, love and serve Him. That is why He made us for this life and for life with Him forever in Heaven, for sharing the Master’s joy.

“Do you also want to leave?” Simon Peter answered him, “Master, to whom shall we go? You have the words of eternal life. We have come to believe and are convinced that you are the Holy One of God.”

What is at issue here is clear. The Gospel is absolutely at odds with the way many people in society today speak. The order of the day in most of the Western World seems to be political correctness, your truth versus my truth, and well, it is all relative anyway and as such cannot but be false. Misery! Hopelessness! Contemporary society does not reflect a Christian worldview. As for Jesus’ words, “I am the Way, the Truth and the Life”, sadly many people hear those words today without the slightest understanding of what they require of us. People do not choose Jesus on His terms. They just kind of stand there or they drift off, if you will, they exit from the scene, sometimes without the slightest provocation.

“As a result of this, many of his disciples returned to their former way of life and no longer accompanied him.”

What to do? Well, there is lots that one can say. Let us limit ourselves for this Sunday to affirming that Christ’s grace is sufficient, no matter how great the trials we have to face in life might be. “Master, to whom shall we go? You have the words of eternal life.” What does turning to the Lord involve? Taking prayer, the lifting of our mind and heart to God, keeping God company, as the mainstay of our lives. We are never too old, we should never be too busy, too sick or too worried, to miss our basic prayers, our morning offering, our meal prayers, our examination of conscience, prayers before climbing into bed. Assisting at Mass on every Sunday and Holy Day of Obligation becomes an eloquent expression of what we live out each day as we seek the Lord and strive to follow Him through obedience to His Commands out of love. The regular and worthy celebration of the Sacrament of Penance is the necessary door for us sinners to gain access to the Lord Who feeds us for the journey in the Holy Sacrament of the Altar.

“Master, to whom shall we go? You have the words of eternal life."

Think about it today! Think hard and pray hard! Come to realize that we cannot live without Jesus at the center of our lives!

Praised be Jesus Christ!


PROPERANTES ADVENTUM DIEI DEI