2. Adventssonntag
Oberarth, 09.
Dezember 2018
Röm. 15, 4-13
Mt. 11, 2-10
Gelobt sei Jesus Christus!
„Excita,
Domine, corda nostra… So haben wir im Tagesgebet gebetet. Rüttle auf, o Herr, unsere Herzen, Deinem
Eingeborenen die Wege zu bereiten, damit wir, durch seine Ankunft, Dir mit
geläutertem Herzen zu dienen vermögen…“
Wer ist dieser Eingeborene, für den wir an diesem 2.
Adventssonntag aufgefordert sind, unsere Herzen aufzurüttlen? Wir wissen, dass
es sich bei ihm um unseren Herrn Jesus Christus handelt. Aber die Frage ist,
wie ist er eigentlich? Was heisst es, der eingeborene Sohn des Vaters zu sein,
der Gesalbte Gottes? Die Liturgie des heutigen Sonntags antwortet uns auf diese
Frage indem sie sagt: Um zu wissen, wer Jesus ist, reicht es, auf seinen
Propheten, Johannes den Täufer, den Vorläufer Christi zu schauen. Ich möchte
betonen, dass es unsere Berufung als Christen ist, die Menschen von heute zu
Jesus zu führen, wie Johannes der Täufer es damals für die Menschen seiner Zeit
gemacht hat. Wir müssen Johannes den Täufer nachahmen bei der Verkündigung Jesu
in einer Zeit, die Gott so sehr nötig hat.
Zu Beginn des Matthäusevangeliums hören wir aus den
Worten Jesu selbst, dass Johannes der Täufer in seinem Leben ein prophetisches
Zeugnis ablegt über den Gesalbten Gottes. Jesus sagt:
„Was zu sehen seid ihr in die Wüste
hinausgegangen? Ein vom Wind umhergetriebenes Rohr? Was zu sehen seid ihr
hinausgegangen? Einen Menschen, mit weichlichen Kleidern angetan?“ Das
Zeugnis des Johannes über den Gesalbten Gottes ist dasjenige eines Menschen,
der beglaubigt ist durch eine radikale Askese. So ist Johannes der Vorläufer
und zugleich spiegelt er das wahre Bild des Bräutigams, das Bild Jesu, der sich
der Welt offenbart. Dieser Jesus ist in absoluter Armut in Betlehem geboren,
hat sein Leben hingegeben für die Menschen in den Jahren seines öffentlichen
Auftretens bis hin zu seinem Tod am Kreuz für die Rettung der Welt. Wie sagt
der Heilige Paulus so schön in seinem Brief an die Gemeinde von Rom, den wir
eben gehört haben: Wenn wir Jesus erkennen, dann finden wir in dem
vielgeliebten Sohn Gottes, die wahre Hoffnung.
An wen richtet sich diese Botschaft der heutigen
Tagesliturgie? An uns selbstverständlich. Und wer sind wir nun, an die diese
Worte gerichtet sind? Wir sind verschiedene. Nicht nur das Volk des Alten
Testamentes, welches durch das Zeichen der Beschneidung das auserwählte Volk
ist. Wir sind auch diese andern Völker, die Heiden, die Gott loben, preisen und
danken für seine Barmherzigkeit uns gegenüber. „Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk.“ Wir können feststellen,
dass auch wir von Gott auserwählt und vorherbestimmt sind, seine Barmherzigkeit
durch seinen Sohn Jesus Christus kennenzulernen. Durch den eingeborenen Sohn
sind auch wir auserwählte Söhne und Töchter. Die Mutter Kirche will, dass wir
uns als von Gott berufene verstehen, welche durch den Empfang der Sakramente
der Taufe und Firmung dazu bestimmt sind, für die Menschen unserer Zeit
Vorläufer Jesu zu sein so wie es Johannes der Täufer zu seiner Zeit war.
„Siehe, ich
sende meinen Boten her vor Deinem Angesicht, damit er den Weg vor dir bereite.“
Daher beten wir: „Rüttle
auf, o Herr, unsere Herzen, Deinem Eingeborenen die Wege zu bereiten…“
Die Frage, wie wir dieses Aufrütteln erreichen, ist in
gewisser Weise eine moralische Frage. Es ist eine Einladung, nicht nur
heiligmässig zu leben, sondern als Jünger Johannes des Täufers dem Herrn den
Weg bereiten durch unsere Hingabe, unsere Worte, unser immerwährendes Gebet.
Also dadurch, dass wir den falschen Vergnügen dieser Welt entsagen und uns
darum bemühen, durch unser Beispiel dem Herrn den Weg zu bereiten, unserem
Herrn, der in Herrlichkeit wieder kommen wird. Unsere Aufgabe als Vorläufer ist
der Schlüssel, wie wir im dritten Kapitel des zweiten Petrusbriefes (in Vers
11-12) lesen:
„Wenn sich das alles in dieser Weise auflöst:
wie heilig und fromm müsst ihr dann leben, den Tag Gottes erwarten und seine
Ankunft beschleunigen!“
Der Heilige Johannes der Täufer hat die Ankunft des
Tages des Herrn beschleunigt. Indem er das gemacht hat, geriet er in
Widerspruch zu seiner Zeit. Draussen in der Wüste war er ein Anziehungspunkt
für die Menschen, die auf der Suche waren nach dem Messias. Die Menschen guten
Willens sind ihm nachgefolgt, um sein Wort zu hören und die Taufe als Zeichen
der Umkehr zu empfangen. Johannes hat die guten Menschen darauf vorbereitet,
den Gesalbten, Christus, zu empfangen. Er hat seine Berufung gelebt draussen in
der Wüste, fern ab der bewohnten Welt und dann aber auch, wie wir im Evangelium
von heute gehört haben, auch im Gefängnis. Im Gefängnis hat er seine Sendung
vollendet und sein Leben hingegeben als Opfer für die Wahrheit d.h. für Jesus
selbst. Wenn wir berufen sind zu Jüngern Jesu nach dem Vorbild des Johannes,
dann müssen wir bereit sein, dasselbe zu tun.
Natürlich, ich muss unterscheiden. Ich habe praktisch
die Berufung des Eremiten beschrieben und nicht alle hier sind dazu berufen,
sich in die Wüste zurückzuziehen. Eltern zum Beispiel können sich nicht einfach
den Pflichten entziehen, die sie ihren Kindern gegenüber haben. Wer arbeitet,
der schuldet dem Arbeitgeber die Leistung, zu der er sich vertraglich
verpflichtet hat. Der Heilige Franz von Sales war ganz klar in der
Unterscheidung unserer Pflichte je nach Lebensstand in dem wir uns befinden.
Aber es schadet sicher keinem von uns, wenn wir uns
das Beispiel Johannes des Täufers vor Augen halten und uns stets darum bemühen,
immer weniger Materialisten zu sein und dafür die Tugenden zu pflegen. In einer
Zeit, in der so viele Unterhaltungsangebote unsere Zeit stehlen, schadet es
keinem, weniger nachsichtig mit seinen Leidenschaften und Vorlieben zu sein und
dafür sich mehr der guten Lektüre und der Betrachtung des Wortes Gottes zu
widmen, im Katechismus zu lesen und das persönliche Gebet zu pflegen. Auf diese
Art und Weise können und müssen wir dem Herrn den Weg bereiten, „…damit wir, bei deiner Ankunft, Dir (O
Herr) mit geläutertem Herzen zu dienen vermögen…“
Gelobt sei Jesus Christus!
PROPERANTES ADVENTUM DIEI DEI
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