Friday, November 20, 2020

Filling Heads und Hearts with Prayer and Room for God

 


Pro Ecclesia Vortrag

Luzern – 21. November 2020

«Herr, lehre uns beten!» (Lk 11.1)

 

Gelobt sei Jesus Christus!

Ich habe nicht gefragt, wer und warum den Titel für meinen heutigen Vortrag bestimmt hat. Aber ich muss sagen, dass „Herr, lehre uns beten“ aus Lk 11,1 mir ausserordentlich gut gefällt. Ich finde diese Wahl geradezu als ein Geschenk der Vorsehung. Fast überall in der westlichen Kirche wird darüber nachgedacht und diskutiert, was es gegenwärtig brauche für eine wirkliche Erneuerung des Glaubens. Damit ist das Thema des Gebetes im Leben der Christen eine sehr aktuelle Frage. Eigentlich geht es um nichts anderes als um die Frage, was es brauche, um der katholischen Kirche unserer Tage das Leben zurückzugeben.

Ich sage dabei absichtlich „zurückgeben“ und verstehe es in dem Sinne, dass die katholische Kirche nicht „Star Trek“ ist, wo das „Starship Enterprise“ dorthin aufbricht, wo bisher noch nie jemand gewesen ist. Die Erforschung unbekannter Welten ist nicht die erste Aufgabe des mystischen Leibes Christi. Es bringt absolut nichts für das konkrete Leben in dieser Welt, wenn wir die Aufmerksamkeit auf irgendetwas Undefiniertes, auf ein leeres Nichts richten und das „Zukunft“ nennen. Unser Herr Jesus Christus nennt sich selbst den Weg, die Wahrheit und das Leben. Die Wahrheit ist keine freie Erfindung und kann es auch nicht sein. Der Herr der katholischen Kirche ist Jesus Christus, welcher in dieser Geschichte gelebt hat (vor ca. 2000 Jahren) und diese Kirche lebt aus einer durchgehenden, kontinuierlichen Tradition, welche ihren geschichtlichen Ursprung hat im Sohn Gottes, der Mensch geworden ist. Die Kirche geht aus Christus hervor und schreitet durch die Zeit in einer dem Ursprung treuen Traditionsspur, welche durch die Kirche selbst, die Braut Christi, gelegt wird. Unser Glaube ist ein traditioneller Glaube. Entweder ist unser Glaube fest verwurzelt in der Vergangenheit oder er ist nichts anderes als ein Scherz, eine Erfindung von einer verwirrten Generation. Ich hoffe, dass meine Position, die einzig gangbare, klar und verständlich ist.

Ich möchte es noch einmal sagen: Das gewählte Thema passt wunderbar auch zu dem, was Pro Ecclesia Schweiz auf ihrer Webseite unter Vision und Bekenntnis schreibt: „Die Katholische Volksbewegung Pro Ecclesia will den Katholischen Glauben sowie das Glaubens- und Gebetsleben ihrer Mitglieder stärken und ein Bewusstsein für die Grundwerte des christlich-abendländischen Erbes schaffen.“ Ich hoffe, dass ich heute etwas zur Stärkung dieser Vision beitragen kann. Es ist klar, dass sich eine solche Vision nur in einem bewusst gestalteten Leben verwirklichen kann. Ein solch bewusstes Leben muss verwurzelt sein im Gebet. Daher der Ruf: «Herr, lehre uns beten!»

Einige schlagen vor, dass vielleicht andere Elemente prioritär zu behandeln wären für eine Erneuerung des Glaubens im Westen. Sie sagen oft, dass es eine neue Reform oder eine Restauration der alten Liturgie brauche. Andere bieten weltliche organisatorische Projekte an, um den Einsatz der Kirche in der Gesellschaft besser zu organisieren. Andere möchten immer noch die protestantische Reformation vollenden und merken nicht, dass die Nachfolger von Luther, Zwingli und Calvin schon seit längerer Zeit in denselben, Schwierigkeiten stecken wie wir, wenn nicht sogar in noch viel grösseren. Tatsächlich scheint die Krise im liberalen Protestantismus am schlimmsten zu sein.

Mir scheint das Schlüsselelement – ich verwende das Wort „Schlüssel“ dabei geradezu Zeichenhaft – dieses Schlüsselelement für eine Erneuerung der katholischen Kirche müsste geradezu in einer Wiederentdeckung der Bedeutung des Gebetes für das tägliche Leben aller Gläubigen sein. Das Gebet ist das Zentrum des Lebens der Kirche und daher auch das Zentrum des Lebens jedes einzelnen Katholiken. «Herr, lehre uns beten!»

Warum das? Weil ich kein anderes Element im Christlichen Leben kenne, das wichtiger wäre. Noch mehr: Ich sehe überhaupt kein anderes Element für ein Leben in der Nachfolge Christi. Es ist vor allem das Gebet, welches heute im Leben der Katholiken fehlt. Die Menschen gehen wenig zur Messe, besuchen wenig die Kirche und vor allem beten sie zu wenig, um in ihrem Leben eine wirklich persönliche Beziehung zu Gott zu haben, der sie zu sich ruft. Ich sage nicht, dass es einfach oder selbstverständlich zur säkularisierten Lebensweise passend sei, als betender zu leben. Ich möchte nur und einfach sagen, dass das regelmässige und beständige Gebet das Element ist, welches den Gläubigen von den Bösen unterscheidet.

Wenn ich das so sage, so will ich dabei nicht andere Probleme oder Schwächen leugnen wie z.B. die offensichtliche Krise der traditionellen Familie nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch bei den Katholiken. Das Auseinanderfallen der traditionellen Familie mit Vater, Mutter und Kindern welche in Beziehung stehen mit der erweiterten Familie der Grosseltern, Onkeln und Tanten, Cousin und Cousinen, also mit der Häuslichen Gemeinschaft auch über die Generationen hinaus und daher in die Geschichte hinein. Die Krise dieser Familie ist eine wirkliche Tragödie erster Kategorie. Die Familie mit allen ihren klassischen Elementen kann nicht ohne Christus leben. Die Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott und mit allen Heiligen prägt wesentlich unsere irdische Familie. Die Familie ist eine Gemeinschaft, die betet. Ohne das Gebet ist die Familie nicht vollständig, d.h. nicht Familie im eigentlichen Sinn des Wortes. Vom göttlichen Recht her kann man nicht sagen, dass die Pfarrei der Kern des kirchlichen Lebens ist. Der Kern des kirchlichen Lebens ist die Familie, die kleine Kirche. Daher wiederhole ich noch einmal: Das Schlüsselelement für die Erneuerung der Katholischen Kirche muss die Wiederentdeckung des Gebetes durch alle sein: die Wiederentdeckung des Gebetes im Herzen der Institution Kirche und im Herzen des täglichen Lebens der einzelnen Katholiken. «Herr, lehre uns beten!»

Um diesen Vortrag auch gut zu gestalten muss ich zum Wesentlichen zurückkehren und auf einige Grundlegende Punkte des Gebetes zu sprechen kommen:

A.  Definieren, was ich unter „Gebet“ verstehe.

B.  Aufzeigen, warum ich glaube, dass heutzutage der „Geist des Gebetes“ fehlt.

C.  Beschreiben, was es bedeutet, eine Gebetsatmosphäre wiederzugewinnen oder wie ich mir die Kirche als Schule des Gebetes vorstelle.

D. Im Licht der Natur der Kirche Christi selbst erklären, warum die Durchdringung des Täglichen Lebens der Gläubigen mit Gebet das Schlüsselelement für die Erneuerung der Kirche ist.

* * *

Beginnen wir also mit diesen 4 Punkten, einer nach dem andern.

A. Was verstehe ich unter „Gebet“ ?

Die allgemeine Definition ist immer anwendbar, unabhängig, ob ich vom privaten Gebet des Einzelnen, vom informellen Gebet einer Gruppe, vom formellen liturgischen Gebet als dem Stundengebet oder ob ich von der Messe spreche. Es spielt keine Rolle, wie ich bete. Das Gebet ist immer das Erheben unseres Herzens und unseres Sinns zu Gott hin. Das Gebet ist immer intentional und die Intention ist auf eine Person ausgerichtet, auf Gott, auf den einzigen Gott in drei Personen. Auch wenn wir auf die Fürbitte Marias, der Engel oder der Heiligen beten, ist unser Gebet auf Gott ausgerichtet. Auch wenn wir uns den Seelen im Fegefeuer empfehlen, ist das eine Handlung, die wir wegen unserer Sehnsucht nach dem einzigen lebendigen und waren Gott vollbringen. Das Gebet ist immer ein Erheben unseres Herzens und unseres Verstandes auf Gott hin, den wir in Jesus Christus kennen und durch ihn erkennen.

Der alte Katechismus kennt, ebenso wie auch der neue, folgende Formen des Gebetes: Anbetung, Dankgebet, Reue/Reuegebet und Bittgebet.

Die Anbetung beinhaltet die Anerkennung, welche Gott dem dreifaltig-einen allein gebührt: Dem Schöpfer von allem und allen, dem Erlöser der Welt und dem Lebendigmacher, welcher uns in seiner Gnade zum Leben führt.

Das Dankgebet entspringt wesentlich aus der Anerkennung, dass Gott aktiv und gegenwärtig in dieser Welt und in unserem Leben wirkt, besonders für unsere Bedürfnisse und unseren Trost. Wir sind Dankbar für seine Gaben.

Die Reue / das Reuegebet ist die Anerkennung nicht nur des Mangels an Dankbarkeit Gott gegenüber, sondern auch der Ausdruck der Trauer, über unsere Sünden, seien es nun Taten gegen das göttliche Gesetz oder schlechte Gedanken einerseits oder seien es andererseits Unterlassungen unserer Pflichten gegenüber Gott oder dem Nächsten. Dieses Bussgebet kann unvollkommen sei, das heisst aus Angst vor dem drohenden Gericht oder vollkommen, d.h. motiviert durch Erkenntnis, dass wir die Liebe Gottes enttäuscht haben. In beiden Formen sieht man sofort, dass die anfangs erwähnte Beschreibung zutrifft: Hinwendung zu Gott.

Das Bitt- oder Fürbittgebet anerkennt Gott als den Ursprung alles Guten, d.h. als denjenigen, von welchem wir voll und ganz abhängig sind. Das Bitten um Gaben bringt uns mit ihm in Beziehung, immer richtig und gerecht, weil wir Gott als den bekennen, der er ist.

Diese vier Formen des Gebetes dürften für die Anwesenden nicht völlig neu sein. Aber sie sind so grundlegend und bedeutend, dass es mir wichtig war, kurz diese vier Aspekte des Gebetes in Erinnerung zu rufen: Die Anbetung, der Dank, die Reue und die Bitte. Alle vier sind gleichermassen wichtig. Es wäre falsch, denjenigen zu kritisieren, der seine Zeit mit Bittgebeten verbringt. Denn wer Gott um etwas bittet, der anerkennt Gott als den, den er wirklich ist: den Herrn des Lebens. Die Seele des bittenden Beters bittet mit einem dankbaren Herzen, voll Anbetung und in Reue über die begangenen Sünden. Wenn dem nicht so wäre, dann könnte diese Seele gar nicht so bitten, wie es angemessen ist.

B. Warum ich glaube, dass heutzutage der „Geist des Gebetes“ fehlt.

Einerseits glaube ich, dass der Mangel an „Gebetshaltung“ im Leben vieler Katholiken heute (Laien, aber ebenso Ordensleute, Priester und sogar Bischöfe) offensichtlich mit den vielen Zerstreuungen zusammenhängt, denen wir heute ausgesetzt sind. Unser Leben ist von morgens bis abends von modernen Technologien begleitet. Denken wir nur an all die technischen Hilfsmittel, die selbst unser Alltagsleben durchdringen. Da ist es gar nicht einfach, in tiefer innerer Sammlung zu leben. Die Liste der Dinge und technischen Hilfsmittel, die uns ablenken und die zwischen uns und Gott stehen ist lange. Es ist heute gar nicht einfach, sich Gottes liebende Gegenwart bewusst zu werden. Hierzu nur zwei kleine Beispiele, die für zwei unterschiedliche Generationen stehen: Der Fernseher für die alten Menschen und das Smart-Phone für die jüngeren Erwachsenen. Ich will damit nicht den Wert verleugnen, den diese technischen Hilfsmittel für unser Leben haben. Aber mit den Vorteilen kommen auch die nicht wenigen Nachteile.

Für ältere Menschen ist der Fernseher die grosse Zerstreuung oder der grosse Eindringling, welcher unsere Möglichkeiten zur Sammlung und zur intimen Gemeinschaft mit Gott zerstört. Noch einmal im Beispiel: Als ich auf der Suche war nach einem zu Hause in den Vereinigten Staaten für die Zeit der Pensionierung, da habe ich online viele Häuser angeschaut, die zum Verkauf standen. In fast allen diesen Häusern, in denen oft ältere Menschen lebten, da war ein Fernseher nicht nur im Wohnzimmer, sondern auch im Arbeitszimmer, im Schlafzimmer und sogar in der Küche und im Bad. Ich habe den Eindruck, dass diese Menschen nie für sich alleine sind, nie ohne einen Hintergrund der Zerstreuung durch elektronische Klänge und Bilder.

Für jüngere Menschen mache ich wiederholt Beobachtungen, wenn ich in Bern spazieren gehe, vor allem im Wald oder hinter meinem Haus oder an der Aare beim Tierpark. Hier fällt mir auf, dass vor allem die jungen Väter immer das Handy in der Hand halten. Diese Männer zwischen 20 und 40 Jahren sind mit ihren eigenen Gedanken durchaus beschäftigt, aber sicher nicht mit den Menschen, die an ihrer Seite spazieren – Ihre Freunde und Freundinnen, ihre Ehefrauen und Kinder. Echte persönliche Beziehungen, auch die Beziehung zu Gott, werden verunmöglicht durch die laufende Beschäftigung mit Texting und dem Willen, stets die Nachrichten und Mitteilungen unter Kontrolle zu haben. Ich muss gestehen, dass auch ich manchmal dieser Versuchung erliegen – auch wenn ich in der Regel alleine am Spazieren bin. Heutzutage bestimmen die technischen Hilfsmittel zu sehr unseren konkreten Alltag – auf jeden Fall scheint es mir so.

Vielleicht ist es sogar besser, dass die Dinge so sind, wie sie sind, das heisst, dass die Symptome unserer Zerstreuung offensichtlich werden. Der Gebrauch und Missbrauch der technischen Hilfsmittel macht den Grad unserer Zerstreuung noch viel erkennbarer. Vor 50 Jahren war es viel schwieriger, einem Menschen zu begegnen, dem man den Vorwurf machen konnte, ein „Tagträumer“ zu sein. Heute mache ich öfters die Beobachtung, dass drei bis vier Personen auf einer Bank an einer Wegkreuzung im Wald sitzen können und jeder ist über sein Smartphone gebeugt, ohne die andren Menschen Wahrzunehmen, die an ihnen vorbeispazieren. Wie kann da noch Platz im Herzen sein um zu beten, um an Gott zu denken? «Herr, lehre uns beten!»

Der Ehrlichkeit halber muss ich eingestehen, dass die Beschreibung der Zerstreuung und die „Gebetslosigkeit“ im Leben von einzelnen Katholiken noch kein Beweis dafür ist, dass das Gebet als solche in der Kirche fehlt. Die Frage, die wir uns stellen müssen: Ist es möglich, in der Kirche eine Gebetsatmosphäre zu finden, ohne dass wir Spuren davon auch im Leben der einzelnen Gläubigen finden? Die Enttäuschung vieler guter Katholiken über den Mangel an frommer Hingabe bei der Feier der Hl. Messe ist für mich auch ein Anzeichen für eine Krise des Gebetes auf der Ebene der Gemeinschaft und der Institution. Wenn du nicht betest – wie kann dann die Kirche beten?

C. Was bedeutet es, eine Gebetsatmosphäre wiederzugewinnen - oder wie ich mir die Kirche als Schule des Gebetes vorstelle.

Die Diagnose des Problems ist hier vielleicht der kritische Punkt. Ich muss gestehen, dass auch ich selbst nicht selten zerstreut bin. Ich lebe nicht immer im Bewusstsein dass Gott in Christus in meinem Leben gegenwärtig ist. Manchmal ist es sogar so, dass ich aus eigener Schuld nicht die geringste Anstrengung unternehme, um mein Leben für Christus zu öffnen. Ich bin zerstreut, d.h. weit davon entfernt, meine Gedanken gesammelt zu haben. Ist das schlimm? Um auf diese Frage zu antworten möchte ich einen Vergleich ziehen mit dem Verzicht auf eine sündhafte Gewohnheit, auf irgendein Laster: Trägheit, Knausrigkeit (Geiz), Gewalt mit Worten oder Taten gegen andere. Es ist nicht immer leicht für uns selber, unser Gewissen zu erforschen, d.h. in den Spiegel zu schauen und konkret und präzise unsere Sünden zu erkennen. Im Falle von schweren Sünden oder Todsünden sind es Taten, Worte oder Unterlassungen, die uns objektiv von Gott trennen. Der Mann, der seine Frau oder die Kinder schlägt, täuscht sich, wenn er meint, dass diese Schläge mit seiner Liebe zu ihnen vereinbar seien. Wenn er schlägt, dann liebt er eben nicht, dann hat er gebrochen mit ihnen und auch mit Gott.

Die Schwere der Sünde ist in diesem Sinne definierbar als grosse, oder ja als Todsünde. Objektive Kriterien bestimmen hier die Sünde und lassen sie nicht wegleugnen, unabhängig von eingeschränkter Freiheit, selbst verschuldeter oder unverschuldeter Unwissenheit. Es gibt Dinge, die einfach Sünde sind und Sünde bleiben: z.B. Ehebruch, Abtreibung… Fehlende Freiheit kann solche Handlungen in gewissen Situationen manchmal verständlich machen, aber sie sind nie zu rechtfertigen oder zu verharmlosen. Ähnliches lässt sich über die “Gebetslosigkeit” und sogar über die gewohnheitsmässige Zerstreuung sagen, welche de facto Gott aus meinem Herzen und meinen Gedanken ausschliessen.

Viele von uns brauchen Exerzitien oder zumindest einen Besinnungstag, um uns wieder auf den Weg dieser Askese zu begeben, welcher den Verzicht auf unsere Zerstreuungen beinhaltet und unser Leben für die Gegenwart Gottes öffnet. Ich erinnere hier gerne an die Episode, wo Jesus lehrte über einen Besessenen der von den Dämonen befreit wurde. Er war nun rein und frei, aber ohne sein Herz mit Gott zu füllen. So kehrten die Dämonen zurück. Wir reinigen das Haus nicht deswegen vom Schmutz, um einfach ein leeres Haus zu haben. Wir wollen ein schönes Haus. So müssen wir Gott einkehren lassen in das Haus unseres Herzens und unserer Gedanken. Wir reinigen unser Herz und unsere Gedanken und ersetzen unsere Zerstreuungen mit einem Leben des Gebetes und wir beginnen damit, dass wir Gebete aus dem Schatz der Kirche beten. Wir sprechen diese Gebete mit lauter Stimme und wenn das nicht möglich ist, wenigstens durch stilles bewegen der Lippen. Nach der Reinigung des Herzens und des Verstandes folgt die formale Einladung an Gott, zu uns zu kommen und bei uns zu sein.

        “Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Wenn ein unreiner Geist aus dem Menschen ausfährt, durchwandert er wasserlose Gegenden, um eine Ruhestätte zu suchen, findet aber keine. Dann sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. Und er kommt und findet es sauber und geschmückt. Dann geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen dort ein und lassen sich nieder. Und die letzten Dinge jenes Menschen werden schlimmer sein als die ersten.“ (Lk 11:23-26)

Es hat heute viel zu viele Menschen, auch getaufte, die nicht wissen, wie man das Kreuzzeichen macht, die das Gegrüsset seist du Maria, das Vater unser oder das Ehre sei dem Vater nicht kennen. Es fragt sich schon wie sich diese Menschen „gute“ oder „unschuldige“ Christen nennen können – mit dieser Leere im Leben. Sie schenken Gott am Morgen nicht die geringste Aufmerksamkeit und geben kein Anzeichen, dass sie den Tag mit und für Gott verbringen möchten. Sie bitten nie um den Schutz ihres Schutzengels in den Gefahren der Zeit. Sie machen kein dankbares Tischgebet, bevor sie essen. In der Praxis, im konkreten Leben sind sie Atheisten, ohne Gott und daher auch ohne die übernatürliche Liebe. Wenn so jemand einen Rosenkranz bei sich trägt, nicht zufällig vergessen in einer Schublade, dann ist es sicher eine Dekoration am Rückspiegel des Autos. «Herr, lehre uns beten!».

Was empfehle ich heute jedem Getauften als Schule des Gebetes? Eine Doppelte Anstrengung: a) einerseits die Zerstreuungen aus unserem Leben entfernen, aber nicht einfach nur um mit der Sünde und der Banalität zu brechen, sondern b) anderseits auch um den gewonnenen Freiraum Schritt für Schritt zu füllen mit Gebeten aus dem reichen Schatz der Kirche. Diese Gebetsformeln schaffen Raum, um über den Gott nachzudenken, der uns liebt.

In der Fastenzeit hat mich eine kleine Gruppe Schweizer Männer darum gebeten, ihr 90-tägiges Exerzitien-Programm (Es nennt sich EXODUS 90) geistlich zu begleiten. Das Programm ist auf Englisch leicht zugänglich mit einer „app“ auf dem Smartphone. Die in diesem Programm empfohlenen Übungen sind dazu bestimmt, sich von der Sünde, den Zerstreuungen und dem bequemen Leben zu lösen. Dies geschieht durch Gebetszeiten, kurze Lesungen in der Hl. Schrift oder im Katechismus, den Besuch der Sonntäglichen Messe und dem Empfang des Busssakramentes, dem Gebet vor dem Allerheiligsten, usw. Das Programm mag extrem erscheinen, aber es versucht nichts anderes, als für jeden einzelnen den minimalen Raum zurückzugewinnen, den es braucht um Christus, den Menschgewordenen Gott ins Zentrum unsers Lebens zu stellen.

Vielleicht können wir so etwas nicht alleine schaffen. So empfehle ich Ihnen, andere zu suchen, die uns bei unseren guten Vorsätzen ermutigen. Solidarität! Das Ziel wäre, die Prioritäten in unserem Leben so neu zu setzen, dass wir das Unnötige und Überflüssige aus unserem Leben verbannen, um Raum und Zeit für Gott zu bekommen.

D.          Im Licht der Natur der Kirche Christi selbst erklären, warum die Durchdringung des alltäglichen Lebens der Gläubigen mit Gebet das Schlüsselelement für die Erneuerung der Kirche ist.

Am Ende ist es eine Frage auf Leben und Tod. Was war die Ursünde von Adam und Eva und was sind die Konsequenzen, welche wir von ihnen geerbt haben? Ihre Sünde war der Ungehorsam gegen den ausdrücklichen Willen Gottes. Als Gott unsere Urahnen in den Garten Eden gesetzt hatte, da hat er ihnen nur ein Gebot gegeben: „Wenn du leben willst, so darfst du nicht vom Baum in der Mitte des Gartens essen …“ Adam und Eva haben sich der Allgegenwart Gottes entzogen. Sie haben dem Spender allen Lebens misstraut und sein Gebot missachtet. Sie haben ihren Schöpfer aus ihrem Herzen und ihren Gedanken verbannt. Die Schwere ihrer Sünde wurde offensichtlich, denn vor der Sünde lebten sie in ständiger ungetrübter Gemeinschaft mit Gott.

Die Feinde der Kirche – die daher auch die Feinde Gottes sind – versuchen, die Kirche Gottes unsichtbar zu machen. Sie schliessen die Türen der Kirche und versuchen die Zeichen zu entfernen, welche die Kirche von aussen als solche erkennbar machen. Vandalen zerstören die Kreuze auf den Landstrassen und entfernen die Statuen, besonders der Mutter Gottes, welche die Plätze und Gebäude der Städte zieren.

Die Kirche, die Braut Christi und sein Mystischer Leib wirken wie ein Leuchtturm in der Welt. Sie führen die Welt zur sicheren Pforte der Gemeinschaft mit Gott. Als Licht oder Stadt auf dem Berg existiert die Kirche wirklich gerade deshalb, um die Welt an die Gegenwart des Schöpfers und Erlösers der Welt zu erinnern und zu ihm zurückzurufen. Er allein gibt uns schon in dieser Welt das Leben und führt uns zum Leben in seinem ewigen Reich. Wir sprechen ja von der christlichen Familie als der kleinen Kirche, insofern die Familie ihren Mitgliedern eine schöne und dauernde Begegnung mit Christus ermöglicht, der uns mehr liebt, als wir uns selbst.

Im Vergleich dazu zählt nichts, was über die Kirche gesagt oder geklagt wird. Die Kirche ist unser Weg in dieser Zeit und durch diese Zeit hin zur Herrlichkeit Christi am Ende der Zeiten. Ich habe nicht die geringste Sympathie oder Mitleiden für die Leute, welche den Akzent der Kirche auf ihre Soziale Bedeutung legen und dabei den Geist des Gebetes und die Wirkung der Sakramente vernachlässigen. Der Heilige Franziskus hat auch dann nicht aufgehört zu beten, als er die Aussätzigen umarmt und geküsst hat. Der Hl. Dominikus und der Hl. Bernhard von Clairvaux haben Tag und Nacht nicht aufgehört zu beten. Die Dienste, die der Heilige Bruder Klaus für sein Land erwiesen hat konnten nichts anderes sein als die Früchte seines dauernden Gebetes in seiner Zelle im Ranft.

Warum schwankt die Kirche heute so sehr? Warum fehlt es an Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben, aber auch zur christlichen Ehe? Die Sünde, der Teufel spielt seine Rolle. Aber, so möchte ich sagen, hauptverantwortlich sind die leeren Köpfe und Herzen der Getauften, die nicht beten. «Herr, lehre uns beten!»

Beginnen wir also mit den klassischen Übungen, mit den einfachen Dingen. Der Rest – Gott wird schon unsere Bitten erhören.

Ich hoffe, dass meine Botschaft nicht zu hochgestochen war für meine Zuhörer. Vergesst nicht, dass die Probe der Gottesliebe die ist, dass sie sich auch oder sogar vor allem an die kleinen und kleinsten wendet.

Wer nun fragt: „ Exzellenz, sie haben gar nichts gesagt über die Trockenheit, welche auch die grossen Heiligen wie Mutter Theresa begleitet und herausgefordert hat?“ Entschuldigung! Das gehört auch dazu! Wer betet wie Mutter Theresa kann auch das Leiden des Schweigens Gottes im richtigen Zusammenhang sehen. Ich denke dabei an die ersten Worte des Psalms 22: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bleibst fern meiner Rettung, den Worten meines Schreiens? Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; und bei Nacht, doch ich finde keine Ruhe.“

Ich hoffe, dass sie noch Gelegenheit haben werden, um auch noch andere Aspekte des Gebetes zu vertiefen, des Gebetes, welches der Schlüssel zum Verständnis und zum Leben unserer Taufberufung ist.

Vielleicht setze ich ein wenig zu viel voraus, aber ich hoffe dass wir, wenn wir damit beginnen das Herz und die Gedanken zu Gott zu erheben und wenn wir darin nicht nachlassen, wenn wir dies privat und auch in der Gemeinschaft der Kirche tun, dann können wir alle Herausforderungen des Lebens bewältigen.

Auf die Bitte seiner Jünger «Herr, lehre uns beten!» hat Jesus auch in grosser Einfachheit geantwortet und ihnen das „Vater unser“ ans Herz gelegt. So ist es!

        Gelobt sei Jesus Christus!


PROPERANTES ADVENTUM DIEI DEI


Prayed Life is Life to the Full

 


Der Gedenktag Unserer Lieben Frau in Jerusalem

(Mariä Tempelgang, Mariä Opferung oder 

Darstellung Mariens im Tempel, Praesentatio Beatae Mariae Virginis)

Pro Ecclesia – Hofkirche Luzern

21. November 2020

Sacharja 2: 14-17

Mt 12: 46-50

 

Gelobt sei Jesus Christus!

Es scheint ewig lange her zu sein, dass ich die Einladung von Pro Ecclesia erhalten habe, über das Thema zu sprechen, welches lautet: «Herr, lehre uns beten!» (Lk 11,1). Damals bestand noch eine gewisse Unsicherheit bezüglich meiner Möglichkeit, die Einladung anzunehmen, da ich bei meiner Bitte, mit 70 Jahren in Pension gehen zu dürfen, noch die Entscheidung des Heiligen Vaters abwarten musste. Inzwischen wurde alles in bester Weise gelöst und so bin ich heute hier. Es freut mich sehr, dass sich die Dinge so gefügt haben und ich heute hier mit Ihnen sein darf.

«Herr, lehre uns beten!»

Heute haben wir im liturgischen Kalender ein sehr altes Marienfest der gesamt Kirche, Ost und West. Als ich die Predigt für diese Messe heute vorbereitet habe, entdeckte ich, dass dieses Fest seit der nachkonziliären Liturgiereform auf Deutsch einen neuen Namen hat: “Der Gedenktag Unserer Lieben Frau in Jerusalem.” Um ehrlich zu sein: Mir gefallen die traditionellen Titel besser: “Mariä Opferung oder Darstellung Mariens im Tempel” Ich verstehe nicht, warum man den Titel des Festes auf Deutsch geändert hat.

Alte künstlerische Darstellungen des heutigen Festgeheimnisses zeigen, wie die kleine Maria sich von ihren Eltern Joachim und Anna verabschiedet. Das kleine Mädchen, höchstens sieben Jahre alt, steigt unter den Augen ihrer Eltern alleine die Treppen des Tempels zu Jerusalem hinauf dem Hohepriester entgegen, der oben wartet, um sie in Empfang zu nehmen. Die Kunst versucht so die Bedeutung dessen darzustellen, was Gott im innersten des Herzens eines Menschen wirkt, wenn er einen Menschen ganz persönlich ruft. Es ist die zwischenmenschliche, gesellschaftliche und familiäre Dynamik einer Berufung. Ich möchte damit sagen, dass das heutige Fest vor allem von unserer menschlichen Würde spricht, in voller Freiheit dem Ruf Gottes zu folgen. Bei Maria war das schon im zarten Kindesalter. Das Mädchen Maria entscheidet sich dem Herrn in seinem Tempel entgegenzugehen und sie wird dabei unterstützt von ihren Eltern und angenommen vom Priester. Getragen von ihrer Familie und von den religiösen Autoritäten antwortet Maria der Einladung Gottes, bei ihm zu sein und ihm zu dienen. Der aus dem ewigen Ratschluss Gottes ergangene Ruf Gottes wird hier betrachtet in einem ganz konkreten und besonderen Moment. Was Maria hier tut – sich in den Dienst Gottes stellen – das wird sich in ihrem ganzen Leben entfalten.

In diesem Sinne möchte ich dieses Beispiel oder dieses Bild der noch kleinen Maria nehmen, um das Geheimnis der Berufung und die Bedeutung des Gebetes bei dieser wichtigen Entscheidung im Leben des Christen, d.h. in unserem Leben, zu beleuchten. Ich rufe damit unsere Welt zur Umkehr auf: Mögen sich die Menschen doch wie Maria vertrauensvoll im Gebet an den Herrn wenden. Das Gebet ist die Bedingung sine qua non für das Leben aller Getauften. Das Gebet alleine öffnet uns die Türe zur Fülle des Lebens in dieser Welt und führt uns zudem zum König des Himmels.

«Herr, lehre uns beten!»

Es ist mir dabei wichtig, daran zu erinnern, dass es sich beim Gebet nicht in erster Linie um die Anwendung von Formel oder Techniken handelt, sondern um Gehorsam. Im Heutigen Evangelium hat es geheissen:

„Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Siehe, meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“

Mit diesen wenigen Worten wird die tiefe Bedeutung der Göttlichen Mutterschaft Mariens angedeutet. Sie zeigt uns, dass ein vom Gebet erfülltes Leben für jeden Menschen möglich ist. So wie das kleine Mädchen Maria vertrauensvoll an Gott wendet, können wir alle das auch. Es spielt keine Rolle, ob einer jung oder alt ist, ob ein Genie oder etwas weniger beschenkt mit Intelligenz – alle können sich Gott zuwenden, können ihr Leben nach seinem Willen ausrichten. Eine betende Seele ist ein Mensch, der ganz auf Gott ausgerichtet ist und der deshalb bereit ist, in allem dem Willen Gottes zu entsprechen, nach seinen Geboten zu leben. Ein solches Leben wird normalerweise im Zusammenhang mit einer betenden Gemeinschaft gelebt, d.h. inmitten von Menschen, die offen sind für das Wirken des Heiligen Geistes im Leben der einzelnen und im Leben der Kirche. Der Gehorsam der Seele gegenüber dem Wort Gottes ist das wesentliche und entscheidende Element des Gebetes. Im Gebet antworten wir Gott, der uns besser kennt als wir uns selbst und der uns aus Liebe ruft, ihm zu dienen.

Offensichtlich, Maria – die Unbefleckte – die ohne den Makel der Erbsünde empfangen wurde und die während ihrem ganzen Leben ohne persönliche Sünde blieb, hatte uns gegenüber einen gewissen Vorteil. Es gibt nur einen Menschen, der noch aufmerksamer dem Willen Gottes gegenüber war als sie: Der Eingeboren Sohn des ewigen Gottes.

Was ist also die grundlegende Bedeutung des Marianischen Geheimnisses der Darstellung Marias im Tempel? Ich würde sagen, dass die Opferung Marias – bei der sie selbst im Tempel vor Gott stehend die Hauptrolle hat, - uns aufzeigt, wie ein menschliches Leben genau dann zur Vollendung gelangt, wenn es ganz für Gott gelebt wird. Das gibt uns Hoffnung, dass auch wir in dieser Welt ein erfülltes Leben haben können.

Vor kurzem habe ich vergeblich versucht, in einem Buch ein Zitat zu finden, das ich vor kurzem gelesen hatte. Wenn ich mich recht erinnere hat der Autor darin das ohne Gott gestaltete menschliche Leben mit einer zweidimensionalen Skizze beschrieben. Im Gegensatz dazu entspricht das Leben mit Gott dem wirklichen Leben, dreidimensional, mit Fleisch und Blut, mit persönlichen Beziehungen zu andern Menschen und auch zu Gott. Das Gebet ist das sich ausweiten des menschlichen Lebens auf seine Fülle hin. Es ermöglicht das wirkliche, dreidimensionale Leben, das Leben im Vollsinn des Wortes.

«Herr, lehre uns beten!»

Wie viele Kinder wären heute wohl in der Lage, ihren Platz als aktive Subjekte zu finden, sich voll zu verwirklichen wie uns es dargestellt ist im Geheimnis “Mariä Opferung”? Wie viele Kinder werden heute in gesunden Familien geboren, oder wenigstens in Familien, die ihr Bestes geben für ihre Nachkommen? In Familien, wo man miteinander betet, und wo die Kinder die Kindergebete lernen und auch die Grundgebete der Kirche: Das Kreuzzeichen, das Vater Unser, das Ave Maria, das Ehre sei dem Vater, das Glaubensbekenntnis, das Schutzengel mein, Am Morgen, Mittag und Abend den Engel des Herrn, das Tischgebet und das Gebet zum Erzengel Michael? Diese Gebete verbunden mit andern frommen Übungen wie etwa dem Gebrauch des Weihwassers und anderen Sakramentalien helfen nicht nur, das Herz des Kindes auf Gott hin auszurichten, sondern sie formen auch die erwachsene Person in der Schule des Gebetes und fördern die spontane und persönliche Beziehung zu Gott.

«Herr, lehre uns beten!»

Manchmal erschrecken wir als Erwachsene vor der Verantwortung, die wir der jüngeren Generation gegenüber haben. Vielleicht müssten auch wir die Gewohnheit der kleinen Gebete von anno dazumal wieder aufnehmen. Vielleicht haben wir diese Gebete, im Gegensatz zu unseren Grosseltern, gar nie richtig auswendig gelernt oder wir haben sie infolge Nichtanwendung wieder vergessen.

Das Geheimnis der Opferung Marias im Tempel erzählt uns von der Erhabenheit der Immaculata, aber es spricht zu uns auch von einer familiären und kirchlichen Gemeinschaft, welche von der Kindheit an den Menschen formt und unterstützt und welche uns lehrt, in Beziehung zu Gott zu leben. Beten, das bedeutet vor allem in dieser Welt, so wie sie ist, die dritte Dimension zu leben, zu leben in Beziehung zu Gott, der uns aus Liebe erschaffen und erlöst hat.

Gelobt sei Jesus Christus!


PROPERANTES ADVENTUM DIEI DEI


Sunday, November 1, 2020

Faithfulness to Tradition will carry us forward.


     Just the other day I gave a lecture in German to a closed group. It bore the provocative title:  „Die alte Messe ist die Zukunft der Kirche.“ which is to say: The old Mass is the Future of the Church. Besides developing my central thesis, I expressed my gratitude to the early stalwarts who back long before Summorum Pontificum remained constant in upholding and celebrating the Mass of the Ages. I made the point that they, often in their long-suffering and at great personal sacrifice, made it possible to pass the torch to a younger generation very much caught up and enthused by the Vetus Ordo.

      Quite unexpectedly, an old friend, who had attended, sent me a short but profound thank you note for my words and witness in favor of the Vetus Ordo. In essence, he told me he had never hoped to see the day when someone with a position like mine in the Church, an archbishop and apostolic nuncio, would express such clear support both for the old Mass and for the sacrifices of this priest's life spent in passing on this priceless gift. He explained that recognizing a real pastoral need, to serve good people who could not reconcile themselves to the new Mass, he had left parish life in 1975 to serve exclusively wherever in Switzerland people so hungered. He had offered Mass in all kinds of different places when no church could be found to welcome his tiny groups.

   He spoke of the particular suffering caused by a decision of the Swiss Bishops' Conference in 1977, forbidding the use of Catholic churches for the celebration of the old Mass on the pretext that it was divisive. Bishop Vonderach of Chur allowed the old Mass notwithstanding in three churches of his diocese, incurring the wrath of the German Bishops' Conference. To my way of thinking, this type of intolerance is a clear attestation of the double standard used to push its modernizing and iconoclastic agenda, permitting folly and excluding true devotion.

   At the end of his note, my priest friend quoted, from 1976, the president of the  Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, Dr. Peter Vogelsanger, Pfarrer am Fraumünster in Zürich, who rejoiced in the reformation which had broken out in the Catholic Church subsequent to the II Vatican Council, for all practical purposes embracing with 400 years delay the "good old Reform"... My friend expressed dread at the thought of being a Catholic who died with something of the like on his conscience.

        In the question and answer exchange after my talk the other day, I could not help but discover myself in many ways falling short of the singleness of purpose which ought to be mine in defending my thesis: The old Mass is the Future of the Church... God forgive me and give me time, let's say, to come clean. God's people deserve no less!

PROPERANTES ADVENTUM DIEI DEI


Friday, October 30, 2020

Washed and Saved in the Blood of the Lamb

 


Votivmesse des Kostbaren Blutes

unseres Herrn Jesus Christus

Sankt Pelagiberg – 30. Oktober 2020

Hebr 9, 11-15

Joh 19, 30-35

 

        Gelobt sei Jesus Christus!

        „…sondern einer der Soldaten öffnete mit einer Lanze seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der es gesehen hat, legt Zeugnis davon ab, und sein Zeugnis ist wahr.“

Graduale:  „Dieser ist es, der gekommen ist durch Wasser und Blut, Jesus Christus – nicht im Wasser allein, sondern im Wasser und Blut. Drei sind es, die Zeugnis geben im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist; und diese drei sind ein. Und drei sind es, die Zeugnis geben auf Erden: der Geist, das Wasser und das Blut; und diese drei sind eins.“

Das ist das Werk Christi IN der Zeit und FÜR die Ewigkeit: Zeugnis geben mit seinem Blut, im Wasser und im Hl. Geist. Ich bin sicher, dass wir selbst als Katholiken uns nicht genügend bewusst sind, wie heilbringend das Blut Christi ist, das unser Wirken ziert. Ebenso wenig werden wir uns bewusst, welche Bedeutung das Blut Christi für unser tägliches Leben hat.

Vor kurzem hatte ich einen sehr tiefen Gedankenaustausch mit einem Schweizer Freund. Wie schon oft seit dem vergangenen März kreisten unsere Gedanken um das Corona-Virus und die nicht nur für Individuen und Familien, sondern auch für die Kirche oftmals bedrückenden Massnahmen des Lock-down. Was die katholische Kirche betrifft, kann man von Bedrückung und Beklemmung sprechen, welche oftmals von uns feindlich gesinnten Kräften herrührt und welche oftmals von unserer eigenen Hierarchie und dem Klerus befördert oder gar verstärkt wurde. Aus Angst vor Bestrafung wegen Übertretung eines Reglements wurden oft eigenmächtige und diskriminierende Weisungen selbst von kirchlichen Instanzen erlassen.

Mein Freund ist ein äusserst intelligenter und fähiger Mensch, eine wirklich kluge Persönlichkeit, wie man so sagt. Aber in diesem Fall, wo bei nicht wenigen Menschen, die ich heutzutage kenne, fehlte ihm oft die wahre Weisheit. Intelligent –ja, brillant – okay, aber weise – würde ich nicht sagen. Wenn ich das so sage, so möchte ich ihn nicht kritisieren, denn die Weisheit ist eine wirklich kostbare Ware. Ehrlich gesagt, nicht selten in der Weltgeschichte fehlt die Weisheit unter den Menschen. 

Ich sage dies, um das allgegenwärtige Unverständnis auszudrücken, welches unter Laien und Priestern unseres Herrn herrscht, bezüglich der Sendung welche die Kirche bis zum Ende der Zeiten zu erfüllen hat. Das heilbringende Werk unseres Herrn Jesus Christus ist nämlich er selbst und es wird so beschrieben:   „Dieser ist es, der gekommen ist durch Wasser und Blut, Jesus Christus – nicht im Wasser allein, sondern im Wasser und Blut.” Wir können Jesus nicht von seinem am Kreuz vollbrachten Opfer am Kreuz zum Heil der Welt trennen. Wir sprechen vom kostbaren Blut, das er am Stamme des Kreuzes vergossen hat. In diesem Sinne, auch in Bezug auf uns, die Glieder der Kirche, seines mystischen Leibes, können wir auch von unserer Berufung sprechen – es spielt dabei keine Rolle ob wir Laien, Ordensleute oder Priester sind – von unserer Berufung, Christus nachzufolgen auf seinem Weg nach Golgota. Wir können dabei sprechen von dem Platz, der uns auf Golgota an seiner Seite gebührt.

Wir müssen leider sagen, dass uns als Gliedern seines Leibes das Leiden mit Ihm und an seiner Seite zusteht, dass es aber ebenso wahr ist, dass wir uns immer wieder auflehnen gegen diese Teilhabe am Leiden Christi. Ungeachtet der beständigen Lehre der Kirche scheint es so, dass für praktisch alle von uns das Leiden mit Christus bis zum Vergiessen des Blutes etwas ist, was jenseits unserer Vorstellung liegt. „Das Blut der Märtyrer ist der Samen neuer Christen“ ist zwar ein bekannter frommer Spruch, aber er bleibt für uns unverständlich, d.h. er erreicht nicht unser Herz, es ist keine Wirklichkeit, die einen konkreten Ausdruck in unserem Leben findet. Wir können uns nicht vorstellen, „Bekenner des Glaubens“ zu sein und noch weniger Märtyrer.

Damit will ich nicht sagen, dass die Bitte Errette uns, o Herr, von allem Bösen nicht verständliche wäre oder kein legitimer Gebetsruf. Ganz im Gegenteil – dieser Wunsch ist absolut normal. Ich will damit nur sagen, dass die menschliche Psychologie, d.h. der Widerstand gegen die Nachfolge Christi auf dem Weg des Kreuzes nicht so stark sein darf, dass er uns davon abhält, zu verstehen dass der letzte Sinn unseres Lebens als Christen darin besteht, mit Christus vereint zu sein, mit ihm vereint bis hin zum vergiessen des Blutes. Die wahre Weisheit verlangt von uns die Anstrengung, über das Opfer Christi nachzudenken und einzutauchen in sein Blut.

Bei dem oben erwähnten Privatgespräch erlaubte sich mein Freund eine tiefe Verbitterung auszusprechen bezüglich der Situation der Kirche von heute und dem Leiden der guten Menschen, welche sich nichts mehr wünschen, als ihren Glauben in Ruhe und Frieden leben zu dürfen ohne dabei von aussen gestört zu werden. Gerade weil mein Freund ein intelligenter Mensch ist, habe ich mir erlaubt, ihm zu entgegnen, dass er sich vielleicht von der Welt zu viel erwarte und zugleich sich selber als Jünger Christi zu wenig zutraue. Weil ich wusste, dass er die Psalmen nicht nur kannte als Lieder des Königs David und als Gebete des Volkes Israel, sondern vor allem als Gebet der Kirche, der geliebten Braut Christi, habe ich ihn gefragt ob es nicht wahr sei, dass der konstante Kehrvers der Psalmen die Bitte sei, von der Unterdrückung durch die Feinde befreit zu werden. Da er ein einsichtiger Mensch ist, hat er sofort verstanden, dass das Los der Kirche in dieser Zeit gerade das Leiden ist. Wir leben als Kirche in der totalen Abhängigkeit von Gott und es ist unsere konstante Bitte, dass er uns befreie von allem Bösen, dem gegenwärtigen und dem zukünftigen.

Im Gebetsschatz der Kirche sind zwei Votivmessen, welche in besonderer Weise die beiden Seiten dieser Münze zeigen: Da ist einerseits diejenige des Heiligsten Namens Jesu und andererseits diejenige seines kostbaren Blutes, welche wir heute feiern. Diese Frömmigkeit hilft uns, voll und ganz unsere Taufberufung zu leben. Der Name und das Blut Jesu sind allmächtig. Wir rufen Ihn bei Namen, Jesus, vertrauensvoll an. In der Taufe reingewaschen und wiedergeboren aus dem Wasser und im Heiligen Geist leben wir nur dann wirklich, wenn wir besprengt mit seinem kostbaren Blut, ihm nachfolgen auf dem Weg nach Golgota.

Gebe der Herr uns die Weisheit, zu verstehen, was es bedeutet, wahrhaft in der Nachfolge dessen zu leben, der sein Blut vergossen hat für das Heil der ganzen Welt!

        Gelobt sei Jesus Christus!

 

Sunday, October 25, 2020

The Good, The True and The Beautiful

 


Manint, Matthew. 

With Glory and Honor You Crowned Them: The Female Martyrs of the Roman Canon  

Tamanrasset Press. 2019. Kindle Edition. 

    One of the risks we Kindle readers have is a tendency toward impulse buying. Well that is how I picked up Matthew Manint's book about the female martyrs of the Roman Canon. I did not regret my purchase in the least from the very first page. The book is just plain refreshing and that is enough for me.

    It is not a very big book and so you can read it in no time at all. I would recommend it to you for two reasons: first, it is a masterful description of heroic virtue unto martyr's death in the unlikely department of young women and girls; secondly, it treats legend in a manner after my own heart.

    Perhaps as much for men as for women in the Church today, we need to be confronted with this clarity of witness demonstrated in these saints already at a tender age. These women and girls, flawless not only in their physical beauty but above all in their attachment to the Bridegroom Christ, show us what the faith can inspire in an individual and how that witness can sway not only hearts well disposed but a world as well. 

    The quest of Pope Saint Paschal I in 821 for the relics of Saint Cecilia, martyred in 230 at Rome and buried in the catacombs which resulted in the discovery of her incorrupt body (600 years!) and then brought back to the light of day again, still incorrupt, in 1599, at the instructions of Cardinal Sfondrato during restoration works in his titular church, gives pause to think. There is an unequivocal message about the beauty of genuine holiness, about the vitality of Cecilia's single-hearted witness to Christ which kept her body from corruption for a millennium and a half.

    Matthew Manint does not shy away from the legends which have come to surround some of our heroines. His even-handed treatment of their biographies, verifiable or not, can aid those who search with a measure of skepticism which seems to me an enemy to the truth.

    Maybe gaining familiarity with these great women, might draw hearts back to the Roman Canon where they are enshrined. Over the course of my lifetime I am witness to a turning again from the iconoclasm of the late 1960's and 1970's which deprived us of our saints to their rediscovery. I wish for Catholics young and old a reacquaintance with such heroic virtue. It spread the faith, built cities and cultures, and could certainly turn one or another young head to that same kind of love affair with the Lord Jesus.


PROPERANTES ADVENTUM DIEI DEI

 



Christ the King and the Sense of Militancy

 


CHRISTKÖNIGFEST

Sankt Pelagiberg, 25. Oktober 2020

Kol 1, 12-20

Joh 18, 33-37

 

Gelobt sei Jesus Christus, der König der ewigen Herrlichkeit!

        Die Postcommunio des heutigen Christkönigfestes klingt ziemlich militärisch:

        „Nachdem wir die Speise der Unsterblichkeit erlangt haben, bitten wir Dich, o Herr, dass wir, die wir uns rühmen, unter dem Banner des Christkönigs zu streiten, mit ihm auf dem himmlischen Thron immerdar zu herrschen vermögen…“

unter dem Banner des Christkönigs zu streiten. Ja also, als Sprache ziemlich militärisch! Ich denke, es ist für Jugendliche und junge Erwachsene heute besonders wichtig zu erkennen, dass wir unseren Glauben an Christus nicht leben können, ohne zu dieser Welt auf Distanz zu gehen. Die katholische Sicht, z.B. auf das Sakrament der Ehe gerichtet, beinhaltet einen Ausdruck, der sich gegen die heutige Kultur richtet und damit im Sinne der Firmgnade eher militärisch klingt.

Ein kleines Bekenntnis: Seit ich als Nuntius hier in der Schweiz bin, ist es für mich zur Gewohnheit geworden, in meinen Predigten für die Spendung des Sakramentes der Firmung immer wieder Fragen und Antworten aus dem kleinen Katechismus des Hl. Papst Pius X. zu zitieren. Als ich 10 Jahre alt war, also vor 60 Jahren, habe ich da bei Nummer 166[1] auf Englisch über die Wirkungen der Firmung gelernt, was auf Deutsch etwa heisst: Die Firmung bringt die in der Taufe empfangene Gnade zur Vollendung und macht uns zu Soldaten Jesu Christi. Der entscheidende Satz ist dabei: „Die Firmung macht uns zu Soldaten Jesu Christi.“

Bei einer solchen Feier der Firmung ist es mehr als nur vorhersehbar, dass beim anschliessende Apéro in der Pfarrei die Grossmutter eines Firmlings sich mir nähern wird um mir zu sagen: „Exzellenz, so spricht man heute nicht mehr über die Firmung! Die Sprache des Kampfes, der Auseinandersetzung und ganz besonders die der militärischen Bilder passen nicht zu unserer heutigen Zeit, die sich so sehr drum bemüht, zu dialogisieren und ein einvernehmliches Miteinander mit den anderen zu finden“. Ich würde dann gerne so antworten: „Liebe Frau! In Anbetracht der Tatsache, dass es sich hier um einen Apéro handelt und um Menschen, die entgegen aller guten Vorsätze nicht an einem echten Dialog interessiert sind, lassen wir das Thema besser bleiben! Ich werde meine Meinung nicht ändern, um Ihnen einen Gefallen zu tun.“

Ich erzähle Ihnen das einfach, um zu sagen, dass ich bei einem Apéro auf dem Kirchenvorplatz oder im Pfarrsaal nie Zeit dafür aufgewendet habe, um einen Menschen, den ich dabei gerade vor mir habe, von meiner Meinung zu überzeugen. Aber der alte Katechismus hat seine Gültigkeit nicht verloren. Man kann mir vorwerfen, dass ich die gesunde Lehre nicht verteidigt habe, auch wenn ich mit meiner Predigt und mit meiner militärischen Sprache die eine oder andere Grossmutter etwas vor den Kopf gestossen oder zumindest aufgewühlt habe.

Christkönigfest! unter dem Banner des Christkönigs zu streiten. Ja! Unser heutiges Fest soll in erster Linie dazu dienen, uns daran zu erinnern, dass die Kirche aus drei Teilen besteht: Wenn wir von der sichtbaren Kirche hier auf Erden sprechen, dann sprechen wir von der streitenden Kirche. Im Fegefeuer, nach dem Tod der Personen und dem besonderen Gericht sprechen wir von der leidenden Kirche. Dann kommt der dritte Teil, im Himmel mit den Engeln und den Heiligen vor dem Angesicht des allmächtigen Gottes, da sprechen wir von der Kirche in der Herrlichkeit, von der triumphierenden Kirche. Postcommunio: „Nachdem wir die Speise der Unsterblichkeit erlangt haben, bitten wir Dich, o Herr, dass wir, die wir uns rühmen, unter dem Banner des Christkönigs zu streiten, mit ihm auf dem himmlischen Thron immerdar zu herrschen vermögen.”

Es gibt keinen andern Weg! Wir müssen die Kirche hier auf der Erde beschreiben als die mit den Kräften des Teufels kämpfende Kirche. Es gibt keine Kirche und wir können uns nicht als Jünger Christi bezeichnen, wenn wir nicht bereit sind, an seiner Seite zu stehen im Kampf gegen die Mächte und Gewalten der Unterwelt. Ob wir im Kampf siegreich bleiben mit Christus, unserem König, hängt davon ab, ob wir bereit sind, an seiner Seite in den Kampf zu ziehen und mit ihm gegen Satan zu siegen. Christkönigfest! unter dem Banner des Christkönigs zu streiten.

Wir können nicht gleichgültig und tatenlos bleiben im Kampf gegen den Bösen. Es ist nicht möglich lauwarm zu bleiben angesichts der Einladung Jesu, bei ihm zu bleiben. Wir müssen uns aufraffen und entscheiden: heiss oder kalt! Das Evangelium von heute zeigt uns Jesus vor Pilatus, und es ruft uns in Erinnerung, wie sehr Jesus in dieser Welt wegen unserer Sünden leiden musste. Er hat gelitten bis zum Tod am Kreuz, am Kreuz wegen dieser unserer Welt, die ihn abgelehnt hat, die nicht bereit war, ihn als den zu erkennen, der er ist: “Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung… Alles ist durch ihn und in ihm erschaffen.“ So schreibt es Paulus im Brief an die Kolosser.

Im Evangelium von Johannes lesen wir: Der Herr Jesus hat vor Pilatus das folgende Zeugnis abgelegt: „Ich bin ein König. Dazu bin ich geboren und in die Welt gekommen, um Zeugnis zu geben für die Wahrheit. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“

Leider sind in der westlichen Welt (dem ehemaligen christlichen Abendland) nur wenige frei von den Fesseln des Relativismus und bereit, Jesus nachzufolgen. Wer ist heute noch bereit, in den täglichen Begegnungen zu bekennen, dass das, was die Mutter Kirche in SEINEM Namen lehrt, wirklich DIE Wahrheit ist und nicht einfach nur meine Meinung oder meine Geschichte? Ich anerkenne gerne, dass es echte Weisheit braucht. Die Weisheit der Unterscheidung und Zurückhaltung im Sprechen mit jenen die (wie die Grossmutter, von der ich eben gesprochen habe) in die Rolle des Pontius Pilatus schlüpfen. Vielleicht aus Zynismus, sicher aber aus Unwissenheit stellen sie dieselbe Frage, die damals der römische Militärrichter an Jesus gerichtet hat, als dieser sagte: “Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit?”

Aus den im Evangelium überlieferten Worten Jesu, ebenso wie aus den mit dem Titel „Ecce homo“ bezeichneten Kunstwerken (Skulpturen, Bilder, Fresken), können wir die Verlassenheit und Einsamkeit erahnen, welche den König des Universums erfasste inmitten jener, die „Sein Volk“ sein sollten. Dieser Aspekt der Nachahmung Christi in seiner Nachfolge gilt für beide Sakramente der Berufung, sowohl für die Ehe als auch für heilige Orden. Die Einsamkeit und Qual von Golgatha gehören zu beiden Sakramenten im wirklichen Leben.

 In vielen Privatgesprächen mit Katholiken hier in der Schweiz höre ich den verzweifelten Ruf: „Wie kannst du von einem Jungen oder einem jungen Erwachsenen erwarten, dass er heutzutage ins Priesterseminar eintritt?“ Die Leute oder zumindest jene, welche in der offiziellen Kirche das Sagen haben, wollen keine Priester. Auch wenn diese Feststellung durchaus wahr ist, so ist dieses Faktum doch nicht bestimmend und kann die Kirche nicht zum Untergang wegen Mangel an Priestern und Sakramenten bestimmen. Wenn der Junge die Gnade der Erfahrung eines echten und tiefen katholischen Glaubens in seiner Kindheit und Familie gemacht hat, dann kann er auch heute noch auf den Ruf Jesu antworten, der heute noch ausreichend Priester beruft für die Bedürfnisse der Kirche. Das Sakrament der Taufe ist die Einladung an uns, beim leidenden Jesus zu sein. Das Sakrament der Firmung ist die Bestärkung jener Taufgnade, mit Jesus vor Pontius Pilatus zu stehen und für die Wahrheit zu kämpfen, welche Christus ist.

Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass derjenige sich irrt, der das Priestertum anstrebt nur für den sozialen Aufstieg oder das gesellschaftliche Prestige oder für “job satisfaction” (Arbeitszufriedenheit). Die unglücklichen Priester, die das erstreben, stehen nicht an der Seite Jesu. Die Kirche wird in ihrer Gesamtheit verstanden als Kampf, d.h. wenn wir in dieser Welt zusammen mit dem Herrn streiten. Wenn wir nach dem Tod vielleicht leiden für unsere Unvollkommenheiten, Fehler und nicht gesühnten lässlichen Sünden, dann werden wir merken, dass wir nicht genug gekämpft haben. Es muss gesagt werden, dass dies insbesondere für diejenigen gilt, die sich auf die Ehe vorbereiten. Die eheliche Liebe und Zuneigung sind nämlich nie selbstverständlich, vielmehr müssen wir immer um sie kämpfen, um sie jeden Tag neu zu gewinnen und zu vertiefen. Der grösste Feind einer gelungenen Ehe ist die Selbstverständlichkeit, mit der wir oft meinen ein Recht auf das Glück zu haben, ohne dass wir uns immer darum bemühen, ja darum kämpfen.

Wenn wir dank dem Herrn die Vollkommenheit erreichen, hoffen wir schliesslich am Ende der Zeiten in der ewigen Herrlichkeit zusammen mit Christus auf dem Thron zu sitzen. Im Hinblick auf diese Herrlichkeit müsste es mich freuen, wenn ich jetzt mit meinem König gedemütigt und erniedrigt werde.

 „Ich bin ein König. Dazu bin ich geboren und in die Welt gekommen, um Zeugnis zu geben für die Wahrheit. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“

Gelobt sei Jesus Christus, König der ewigen Herrlichkeit!

 

PROPERANTES ADVENTUM DIEI DEI



[1] 166. Q. What is Confirmation? A. Confirmation is a Sacrament through which we receive the Holy Ghost to make us strong and perfect Christians and soldiers of Jesus Christ.  In Baptism we are made Christians, but we are not very strong in our faith till the Holy Ghost comes in Confirmation. You remember how timid the Apostles were before the coming of the Holy Ghost, and how firm and determined in their faith they were afterwards; and how fearlessly they preached even to those who crucified Our Lord. "Soldiers," because we must fight for our salvation against our three enemies, the devil, the world, and the flesh. Our Lord is our great leader in this warfare, and we must follow Him and fight as He directs. A soldier that fights as he pleases and not as his general commands, will surely be beaten.

Saturday, October 24, 2020

Thoughts Just Short of Two Years Reciting the Old Office

 


    Seeing this picture of someone's chart the other day both pleased me for the close correspondence of the Hours to my daily schedule of official prayer and got me thinking about how I and the Old Breviary are getting along nearly two years into this "marriage". 
    In terms of my times, I have pretty well settled for praying Matins whenever I awake from midnight on, which sometimes, if I have gotten to bed late, may be closer to 3 or 4 am. Lauds followed by Prime precede daily Mass. Terce comes right after breakfast, Sext just before lunch and None right after lunch. Vespers and Compline come together after supper, usually about 8:00 pm and then it's a day. The times in the above table are classic and stand alone for each of the hours, but my schedule here in Bern would make them hard to keep. I can pray all but Matins in the chapel before the Blessed Sacrament. Matins works best for me standing up, because even kneeling at 2am I tend to doze off.
    I wish to share my musings with friends in the hopes of attracting one or another Bishop or Priest to give the traditional full office a try. Needless to say I am ready to encourage the laity disposed to take up this sweet burden, but my first thought is for priests. If this commitment has taught me anything, it would be the paucity of the Novus Ordo office. Reciting the Psalter over four weeks instead of just one is spreading the psalmody too thin. What the more intense encounter with the Psalter has taught me is much. These days in particular certain verses from the psalms come repeatedly to confirm for me just how shot through with the experience of adversity our life in the footsteps of the Crucified One must be.
    Let me just stay with that statement for a moment and clarify that I am not claiming the one week Psalter as a font of fortitude but a clearer, more sober, world view, which might not necessarily strengthen me under hardship, but certainly challenges me to be about Christ's business, where He was raised up and drew all to Himself.
    According to the ancient form of the Roman Rite, it is almost time for me to celebrate First Vespers of the Feast of Christ the King, which falls on the last Sunday of October. Fair or not, I would say that this way the feast hits me as more existential and less apocalyptic, even though the Collect prayed on either is about the same. Forgive me, but in terms of living out my Catholic Faith in these troubled times, I feel more of a need for the old feast and see it as a call to gird up my loins so to speak and stand with Christ my King there before Pontius Pilate.
    The Old Breviary is indeed a sweet burden. For all the more demanding it might be in time required for recitation, it gives over and over again, filling and focusing a priest's life to where it should be. It is not the monastic breviary, but with a certain austerity, deprived as it is of song, it can help carry the priest to where he ought to be and make him more at every hour of the day what he is called to be for Christ and His Church by his consecration through the Sacrament of Holy Orders.

PROPERANTES ADVENTUM DIEI DEI